Kein Prozess gegen Kükenbrüterei in Senden

Auf einem Fließband werden frisch geschlüpfte Küken nach Geschlecht sortiert

Kein Prozess gegen Kükenbrüterei in Senden

Das Landgericht Münster hat am Mittwoch (09.03.2016) die Eröffnung eines Hauptverfahrens gegen den Betreiber einer Kükenbrüterei in Senden abgelehnt. Das Unternehmen habe sich mit der massenhaften Tötung männlicher Eintagsküken nicht strafbar gemacht.

In seiner Begründung stellt das Gericht zwar fest, "die Tötung männlicher Eintagsküken stelle einen mehrfachen, nicht umkehrbaren und schwerwiegenden Eingriff in den Tierschutz dar". Der Angeschuldigte könne allerdings vor dem Hintergrund der jahrzehntelang geübten Praxis Vertrauensschutz beanspruchen. Zwar werde nach dem Tierschutzgesetz grundsätzlich bestraft, wer ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund töte. Diese Vorschrift reicht nach Auffassung des Gerichts aber nicht für eine Verurteilung, "weil der Gesetzgeber das Töten von männlichen Eintagsküken nicht unter Strafe habe stellen wollen".

Politik muss entscheiden

Justizzentrum Münster, hier das Landgericht

Das Landgericht verweist an den Gesetzgeber

Die münsterschen Richter spielen in ihrer Entscheidung den Ball zurück zur Politik. Wenn das massenhafte Töten von Küken strafbar sein solle, müsse der Gesetzgeber aktiv werden. Das seien Entscheidungen, die nicht das Landgericht an seiner Stelle treffen könne. Gegen diese Entscheidung hat die Staatsanwaltschaft Münster bereits Beschwerde eingelegt.

PETA reagiert mit Unverständnis

Bei der Tierrechtsorganisation PETA stößt die Entscheidung des Landgerichts auf Unverständnis. So stelle doch niemand mehr in Frage, dass das Töten von Eintagsküken strafbar sei. Wenn eine jahrzehntelange Praxis jetzt weiter zugelassen werde, habe dies nichts mehr mit Rechtsstaatlichkeit zu tun.

Ein gerade geschlüpftes Küken wartet auf seine Geschwister.

Gefragt sind nur weibliche Küken

Die Tierschutzorganisation hatte Strafanzeige gegen etwa 20 deutsche Brütereien erstattet, unter anderem gegen das Sendener Unternehmen. Es war bundesweit das erste Mal, dass in einem solchen Fall Anklage erhoben wurde. Nach Einschätzung der Tierschützer werden jährlich mehr als 100.000 sogenannte Eintags-Küken in dem Sendener Betrieb getötet. Viele Brütereien verfahren ähnlich, weil sie lediglich weibliche Küken aufziehen, um sie als Legehennen zu verkaufen.

Stand: 09.03.2016, 14:06