Bocholts SPD-Chef gibt wegen Hass-Mails auf

Bocholts SPD-Chef gibt wegen Hass-Mails auf

  • SPD-Chef Thomas Purwin tritt zurück
  • Drohungen gegen die Familie
  • Reaktionen aus der Landespolitik

Mit den gegen seine Person gerichteten Hassmails habe er gelernt umzugehen, teilte Thomas Purwin am Dienstag (13.12.2016) mit. Nun hätten die anonymen Verfasser aber eine Grenze überschritten. Nun gehe es auch gegen seine Partnerin und die Tochter, der man "das Übelste" wünsche.

Thomas Purwin zu den Hassmails (13.12.2016, WDR 2)

00:17 Min.

"Da habe ich als Familienvater gegenüber meiner kleinen und jungen Familie eine besondere Pflicht und Verantwortung", schreibt der 35-Jährige in einer E-Mail an verschiedene Medien. Daher werde er sich aus der Bocholter Lokalpolitik zurückziehen. Den Vorsitz des SPD-Stadtverbandes lege er ab sofort nieder.

Empörung aus allen politischen Lagern

Bernhard Daldrup, der Vorsitzende der SPD im Münsterland, reagierte empört und erschüttert. "In welcher politischen Kultur bewegen wir uns eigentlich, dass Menschen sich bedroht und eingeschüchtert fühlen", sagte er dem WDR. Auch FDP-Chef Christian Lindner äußerte sich beschämt: Menschen, die sich politisch in unserem Land engagieren, dürften nicht um ihr Leben fürchten, so Lindner.

Ministerpräsidentin Kraft empört

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) zeigte sich "entsetzt, aber auch wütend, dass rechte Hetzer mit ihren Hassmails Menschen so zermürben und einschüchtern, dass sie ihre Arbeit für unsere kommunale Demokratie einstellen müssen", sagte sie der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung". CDU-Landeschef Armin Laschet sprach Purwin via Twitter seine Solidarität aus. Grünen-Landeschef Sven Lehmann nannte die Hassmails unerträglich.

Schon seit Monaten Hass-Mails in Bocholt

Hass-Mails an Politiker und führende Verwaltungsmitarbeiter in Bocholt gibt es schon seit Monaten, zum Beispiel Morddrohungen gegen Bürgermeister Peter Nebelo (SPD) und Stadtkämmerer Ludger Triphaus. Im Oktober fand dann auch Purwin weitere Morddrohungen in seinem E-Mail-Fach. Aus Sicherheitsgründen sagte er daraufhin einen SPD-Parteitag ab.

Durchsuchungen bei einem Verdächtigen schon im Oktober

Wenige Tage später schien der Spuk vorbei zu sein: Am 25. Oktober 2016 durchsuchte die Polizei die Wohnung eines 46-jährigen Verdächtigen in Bocholt. Die Beamten beschlagnahmten unter anderem Computer. Die Auswertung des Materials dauert nach Polizeiangaben noch an. Der Mann hat die Vorwürfe bislang bestritten. Die Ermittlungen sind kompliziert, wie WDR-Recherchen zeigen. Offenbar laufen die Hassmails zum Teil über ausländische Server. Man fahnde "mit Hochdruck" nach den Urhebern der Botschaften, betont die Polizei Münster. Unterstützt wird sie von IT-Experten des Landeskriminalamtes.

Stand: 13.12.2016, 19:48