Vier Biere aus NRW mit Pestizid belastet

Vier Biere aus NRW mit Pestizid belastet

Von Jörg Taron

In 14 untersuchten Biersorten hat das Umweltinstitut München das Agrargift Glyphosat gefunden - so auch in Warsteiner, Veltins, Krombacher und König Pilsener. Eine besonders hohe Belastung wies die Warsteiner-Probe auf. Das Pestizid steht im Verdacht, Krebs zu verursachen.

Das Umweltinstitut München hat die 14 in Deutschland meistverkauften Biere untersucht, und in allen fanden sich Rückstände des Unkraut-Vernichtungsmittels. Die Liste der betroffenen Biere ist das Who’s-who des deutschen Biermarktes: Krombacher, Oettinger, Bitburger, Veltins, Becks, und so weiter. Eines der drei am höchsten belasteten Biere ist laut der Stichprobe das aus Warstein.

Das Institut hat keine weiteren Biere untersucht, wäre aber vermutlich sonst noch häufiger fündig geworden. Denn Rückstände von Pflanzenschutzmitteln finden sich mittlerweile in fast allen Lebensmitteln. Glyphosat steht im Verdacht, Krebs zu verursachen, und sollte deshalb nicht in Nahrungsmitteln vorkommen, fordern die Autoren der Untersuchung.

Erst 1.000 Liter am Tag gefährlich?

Brauerei in verschneiter Landschaft

Dunkle Wolken über der Warsteiner

Das Bundesinstitut für Risikobewertung sieht das ähnlich: Rückstände von Pflanzenschutzmitteln seien grundsätzlich nicht wünschenswert, hieß es dort. Allerdings gibt das Institut Entwarnung: Die im Bier gemessenen Werte, die zum Teil den strengen Vorsorge-Grenzwert für Trinkwasser fast 300-fach überschreiten, lägen immer noch deutlich unter der gesundheitlich bedenklichen Menge. Ein Erwachsener müsse schon 1.000 Liter am Tag trinken, bevor es gefährlich werde. Hier kann aber nur die "normale" Giftigkeit von Glyphosat gemeint sein, nicht die umstrittene Frage, ob es Krebs erregend ist. Für Krebs erregende Substanzen gibt es keine Unbedenklichkeits-Grenze.

Gerstenmalz wahrscheinlichste Quelle

Wie das Pflanzengift ins Bier kommt, ist unklar: Für das zum Brauen benutzte Trinkwasser gibt es den sehr stengen Grenzwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter. Also bleiben nur Hopfen oder Malz als Ursache der Belastung. Wahrscheinlichste Quelle ist die Gerste, aus der das Biermalz gewonnen wird.

Leere Bier- und Wasserkästen

Gleich mehrere belastete Biere aus NRW

Auch warum die Biere so unterschiedlich stark betroffen sind, ist bisher völlig unklar: In der Warsteiner-Stichprobe fanden die Münchner besonders viel Glyphosat - 200 Mal mehr als im Trinkwasser erlaubt. Veltins ist mit dem 58-fachen, König Pilsener mit dem 33-fachen und Krombacher mit dem 30-fachen Trinkwasser-Wert belastet. Spitzenreiter in Sachen Glyphosat war demnach Hasseröder, gefolgt von Jever.

Keine Stellungnahme von Brauern

Die Brauer hat die Glyphosat-Nachricht aus heiterem Himmel getroffen. Stellungnahmen der großen Brauereien in NRW waren nicht zu bekommen. Sie verwiesen an den Brauerbund in Berlin. Und der äußert Zweifel an der Seriosität der Studie und weist darauf hin, dass die Rohstoffe – Wasser, Hopfen, Malz und Hefe – streng kontrolliert würden. Und bei diesem Monitoring habe sich gezeigt, dass die in Deutschland benutzten Braumalze größtenteils frei von Glyphosat-Rückständen seien. In Deutschland dürfe das Pflanzenschutzmittel beim Anbau von Braugerste nicht genutzt werden. Allerdings werde rund die Hälfte des von den deutschen Brauern genutzten Malzes aus ausländischer Geste hergestellt.

Institut Einflussnahme vorgworfen

Sophia Guttenberger vom Umweltinstitut München forderte die Brauereien dazu auf, "dass sie ihre Zutaten und Zulieferer genau prüfen, um herauszufinden, warum Glyphosat überhaupt ins Bier gelangen konnte, und sich darum zu kümmern, dass eben Glyphosat und auch andere Pestizide sich nicht mehr im Bier finden lassen.

Chemische Formel von Glyphosat

Chemische Formel von Glyphosat

Glyphosat ist ein sehr verbreitetes Unkrautvernichtungsmittel. Die Weltgesundheitsorganisation stuft es als wahrscheinlich Krebs erregend ein. Das Bundesinstitut für Risikobewertung teilt diese Einschätzung nicht. Im Frühjahr soll darüber entschieden werden, ob die Zulassung des Pestizides in der EU verlängert wird. Vor diesem Hintergrund fühlen sich die Brauer von den Glyphosat-Gegnern instrumentalisiert. Das Umweltinstitut aus München, so der Brauerbund, "möchte mit seiner Veröffentlichung offensichtlich Einfluss nehmen" auf die Diskussion.

Stand: 25.02.2016, 13:58