Fragwürdige Reisen der Sparda-Bank Münster

Fragwürdige Reisen der Sparda-Bank Münster

  • Reisen zum Polarkreis oder in die Toskana
  • WDR-Bankenexperte: "Das macht man heute nicht mehr!"
  • Sparda-Bank lehnt Stellungnahme ab
Segelschiff in einem Hafen

Auch Segeln vor Mallorca zählte zu den Incentives der Sparda-Bank Münster

Jahrelang hat die Führungsriege der Sparda-Bank Münster teils luxuriöse Reisen unternommen. Wie Teilnehmer dem WDR berichten, auf Kosten der Bank. Mit rund 30 Vorständen, Abteilungsleitern und Filialleitern ging es zum Beispiel in den Norden von Finnland – Snowmobil-Safari und Hundeschlittenfahrten am Polarkreis inklusive. Außerdem gab es Segeltouren vor Mallorca und eine luxuriöse Reise in die Toskana.

"Ganz exklusives Gemäuer"

Urlaubsziel mit Pool, Liegen und Bäumen

Zu den Nobelherbergen gehörte auch ein ehemaliges Kloster in der Toskana

Eine frühere Führungskraft der Sparda-Bank Münster, die nicht namentlich genannt werden will, berichtet detailliert von diesen meist drei- bis viertägigen Reisen. "In Finnland sind wir Hundeschlitten gefahren, wir haben Snowmobilfahrten in den finnischen Sonnenuntergang gemacht. In der Toskana hatten wir zwei Tage Autos gemietet für eine Autorallye durch die toskanische Landschaft. Da waren wir zum Beispiel mittags in einer Weinkellerei, ein ganz exklusives Gemäuer."

Reisen sind fragwürdig

Diese Reisen bezeichnet man in Unternehmenskreisen als "Incentives", also Anreize und Belohnungen für Mitarbeiter, die sich besonders verdient gemacht haben. Der WDR-Bankenexperte Ulrich Ueckerseifer betont, solche Reisen seien nicht ungewöhnlich - und erlaubt. Kritisch sei es aber, wenn immer nur der gleiche Kreis, also die Führungsebene, mitreisen würde. Ueckerseifer: "Das wirkt irgendwie wie aus der Zeit gefallen, früher hätte sich keiner darüber aufgeregt, heute macht man das nicht mehr."

ein Pool zwischen Bäumen mit Liegestühlen

Incentive-Reisen wie diese sind bei den Sparda-Banken in Deutschland nicht mehr üblich.

Dem WDR liegen Broschüren zu diesen Reisen der Sparda-Chefetage vor. Ebenso Fotos, die die Teilnehmer privat aufgenommen haben. Sie zeigen, dass es bei vielen Reisen wohl weniger um Bankenthemen ging, als vielmehr um Vergnügen und Erholung. Der WDR hat bei allen anderen deutschen Sparda-Banken nachgefragt. Bis auf eine haben alle geantwortet. Bei keiner davon gibt es derartige Erlebnis -also Incentive-Reisen.

Geburtstagsfeier auf Bankkosten?

Münster ist eine der kleinen Sparda-Banken, leistete sich aber jahrelang teure Reisen. Und nicht nur das: Auch eine große Party wirft Fragen auf. Im März 2014 feierte ein damaliges Vorstandsmitglied der Bank seinen runden Geburtstag in einem Restaurant am Aasee in Münster. Auf der Einladungskarte steht wörtlich: "Sehr gerne lädt Sie der Aufsichtsrat und der Vorstand der Sparda-Bank Münster eG (…) ein." Bleibt die Frage: Wer hat die opulente Geburtstagsfeier bezahlt? Sollte auf Bankkosten gefeiert worden sein, könnte das strafrechtlich relevant sein, sagt WDR-Bankenexperte Ulrich Ueckerseifer.

Die Sparda-Bank Münster hat sich auf wiederholte WDR-Anfrage weder zu der Geburtstagsfeier noch zu den Reisen der Chefetage geäußert. Detaillierte Fragen wurden nicht beantwortet.

Nachfrage bei der Staatsanwaltschaft

Der WDR hat auch bei der Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität in Bielefeld nachgefragt, ob sie wegen der Incentive-Reisen und der Geburtstagsfeier ermittelt. Doch dazu wollte sich die Behörde nicht äußern. 

ein Gebäude der Spardbank

Sparda-Bank in Münster

Währenddessen laufen die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen den entlassenen Ex-Bankchef Enrico Kahl und 18 andere Personen weiter. Gegen die ehemaligen und noch aktiven Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder der Sparda-Bank besteht der Verdacht der Untreue. Dabei geht es um Privatpartys, die auf Kosten der Bank gefeiert worden sein sollen, um Besuche bei Sportveranstaltungen wie Bundesligaspielen oder Karten für die Wagner-Festspiele in Bayreuth.

Am Mittwoch (14.6.2017) will der komplette Aufsichtsrat der Sparda-Bank Münster seine Ämter niederlegen. Nach WDR-Informationen wird auch gegen alle neun Aufsichtsräte ermittelt.

Stand: 14.06.2017, 07:27