Schutz vor Starkregen im Münsterland

Zwei Autos stehen am 28.07.2014 auf einer überfluteten Straße in Münster.

Schutz vor Starkregen im Münsterland

Von Andreas Lorek

  • Forscher simulieren Starkregen im Labor
  • Masterplan gegen Überschwemmungen
  • Campus-Dialog zu Wetterphänomenen
In einem Labor steht ein System aus mehreren Tanks, die mit Wasser gefüllt sind.

Versuchsaufbau in der FH Münster

Im Labor des Instituts für Hydraulik und Stadthydrologie der Fachhochschule Münster in Steinfurt gibt es einen weltweit einzigartigen Versuchsaufbau - Teile einer Kanalisation aus Acrylglas. Hier kann man sehen, was geschieht, wenn innerhalb kurzer Zeit soviel Wasser in die Kanalrohre dringt, wie sonst verteilt den ganzen Sommer über. Alles staut sich, läuft über. Die Kanalisation muss für eine definierte Höchstmenge an Wasser ausgelegt sein.

Jahrhundertregen richtete riesige Schäden an

vier Autos stehen im Wsser

Hohe Sachschäden durch Starkregen

Allerdings, im Juli 2014 kam beim so genannten "Jahrhundertregen" in Münster rund 30 Mal soviel Wasser zusammen wie die Höchstmenge im Labor: 212 mm Regen in 90 Minuten, 292 mm in sieben Stunden. Am 27. Juli 2014 standen Teile des Münsterlands unter Wasser. Menschen starben, viele wurden verletzt, die Sachschäden gingen in die Millionen. Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe versprach: wir werden die städtische Wasserentsorgung auf Schwachstellen untersuchen und sie nach und nach beheben.

Stadt Münster arbeitet an Schutzmaßnahmen

Bildausschnitt eines Gewässers, über welches sich eine Brücke befindet.

Brücke an der Aa in Münster

Und tatsächlich: Die ersten Schwachstellen sind in Arbeit. Durch ein schmale Rohr am Canisiusgraben konnte das Wasser nicht schnell genug abfließen, zusätzlich hatten sich in diesen Gittern Äste verfangen, das Wasser wurde gestaut, der sonst friedliche, kleine Bach schwoll an, trat über die Ufer. Die Bauarbeiten haben gerade begonnen. Eine neue, breite Unterführung bis zum Aasee wird gebaut. Die Gitter verschwinden. Damit kann auch bei Starkregen das Wasser schnell abfließen.

Auch die Aa an Münsters Kanalstraße war über die Ufer getreten. In den nächsten Monaten wird hier ein Deich angelegt. Solche Maßnahmen sind sinnvoll, weil bei Starkregen verhindert wird, dass zusätzliches Wasser in die sowieso schon überfüllte Kanalisation drückt.

Portrait von Prof. Helmut Grüning.

Martin Grimm leitet das Tiefbauamt Münster

Michael Grimm, Leiter des städtischen Tiefbauamts: „Wir müssen unser Kanalnetz so planen, dass es maximal alle 10 Jahre zu einer leichten Überschwemmung der Straße kommen darf. Um aber Ereignissen, wie 2014 vorzubeugen, müssen wir die gesamte Stadtplanung neu erfinden. Da gibt es bereits einen Masterplan. Den abzuarbeiten, das wird die nächsten zwei Generationen beschäftigen.“

Campus-Dialog zu "Urbanen Sturzfluten"

Und die Stadtplaner können dabei sicher auch von den Versuchen der Fachhochschule Münster profitieren. Am Mittwoch (08.02.2017) geben die Wissenschaftler interessierten Bürgern einen Einblick ihre Forschungen - beim Steinfurter Campus-Dialog geht es um "Urbane Sturzfluten - Schutz und Prävention."

Stand: 07.02.2017, 20:00