Sauerländer Nepalhilfe: Ein Jahr nach dem Beben

Sauerländer Nepalhilfe: Ein Jahr nach dem Beben

Von Natascha Kempf

Vor einem Jahr bebte in Nepal die Erde. Zwei Sauerländer stellten kurz darauf eine außergewöhnliche Hilfsaktion auf die Beine. Sie sammelten mehr als 200.000 Euro Spenden und packten selbst im Erdbebengebiet mit an. Doch ihre Hilfe geht immer noch weiter.

Norbert Grobbel besucht den Schulunterricht in einer zerstörten Schule in Nepal

Norbert Grobbel besucht den Schulunterricht in einer zerstörten Schule

Norbert Grobbel aus Olpe ist gerade erst wieder zurück aus Nepal. Seit dem Erdbeben reisen er und sein Freund Johannes Börger aus Schmallenberg regelmäßig in das Land, um Hilfe zu leisten. Mit den Spendengeldern konnten sie  schon wenige Wochen nach dem Erdbeben viele Nepalesen unterstützen: Mehr als 1.000 Familien lieferten sie damals Bleche, damit sie sich vor der anstehenden Regenzeit Hütten bauen konnten. Außerdem installierten sie Wassertanks und finanzierten die Reparaturen zweier Schulen und eines Krankenhauses mit.

Viele Häuser in Nepal sind immer noch zerstört

Ein Jahr nach dem Beben leben viele in notdürftigen Hütten

Aber ein Jahr nach dem Erdbeben ist die Not vieler Nepalesen immer noch groß. "Die Situation der Erdbebenopfer hat sich in den vergangenen Monaten eher verschlechtert. Hilfe vom Staat kommt nur sehr dürftig in den Dörfern an", so Norbert Grobbel. In vielen Regionen sei vor allem die Wasserversorgung ein Problem.

Langfristiges Engagement

Norbert Grobbel

Norbert Grobbel

Weil sie sich langfristig in Nepal engagieren wollen, haben Norbert Grobbel und Johannes Börger inzwischen den Verein "Lichtblick Nepal" gegründet - mit einem Partnerverein in Nepal. Dort beschäftigen sie auch Mitarbeiter, die sich um ihre verschiedenen Projekte kümmern. Im Winter haben sie etwa 1.000 Schülern warme Jacken gespendet, denn die Schulwege sind oft lang. An weitere 350 Hilfsbedürftige konnten sie warme Steppjacken verteilen. Außerdem finanzieren sie in einem Dorf Schulunterricht für Erwachsene, damit sie bessere Chancen haben. Der Verein hilft auch sozialen Projekten: So finanziert er den Bau eines Hauses einer Frauengemeinschaft in dem armen und zerstörten Dorf Shikharpur mit. Ein ähnliches Projekt ist in der Hauptstadt Kathmandu geplant, wo sich eine Frauengemeinschaft um Witwen und alleinerziehende Mütter kümmert.

Hilfe vor allem für Schulen

In diesem Jahr will der Verein fünf zerstörte Schulen wieder aufbauen und dafür rund 74.000 Euro ausgeben. Denn viele Schüler würden unter Zeltplanen und in notdürftigen Hütten unterrichtet, berichtet Norbert Grobbel. Weil Johannes Börger mit einer Nepalesin verheiratet ist und Verwandte in dem Land hat, ist der Verein gut vernetzt und kann schnelle Hilfe leisten. Die Mitglieder stimmen sich mit den Behörden ab, ermitteln die Baukosten und beschäftigen örtliche Architekten und Bauingenieure.

Neubau durch den Verein "Lichtblick Nepal" für eine Witwe mit ihrem Enkelkind

Neubau durch den Verein für eine Witwe mit ihrem Enkelkind

"Da es kein Sozialsystem in Nepal gibt, können wir uns auch vorstellen, in Grundschulen zum Beispiel Englischlehrer zu finanzieren. Somit können wir benachteiligten Kindern den Schritt in weiterführende Schulen ermöglichen. Das kostet nicht viel Geld, und man kann sehr viel damit bewegen", sagt Grobbel. Dafür sind sie weiterhin auf Spenden angewiesen.

Für ihre Arbeit in dem Krisengebiet opfern sie gerne ihre Zeit. "Wenn man sieht, wie dankbar uns die Nepalesen sind, dann macht uns das schon sehr glücklich", sind sich Norbert Grobbel und Johannes Börger einig. Anfang Mai wird Johannes Börger wieder nach Nepal reisen und die Projekte weiter voran treiben.

Stand: 25.04.2016, 10:11