Münster nimmt Abschied vom Kuschel-Zoo

Pfleger schrubbt einem Elefanten den Rücken

Münster nimmt Abschied vom Kuschel-Zoo

Von Petra Brönstrup

Die Tierpfleger im Allwetterzoo Münster haben bisher einen sehr engen Kontakt zu den Elefanten. Damit soll bald Schluss sein. Der Zoo will die Haltung umstellen.

Revierleiter Michael Adler schrubbt Corny mit einer Wurzelbürste kräftig den Rücken. Die Elefantenkuh reckt Kopf und Rüssel, sie liebt diese Extraportion an menschlicher Zuwendung während des Duschens. Doch damit ist es bald vorbei. Der Zoo will die Haltung umstellen, auf den sogenannten geschützten Kontakt, durch Gitterstäbe hindurch.

Stahlgitter trennen Mensch und Tier

Die Tierpfleger, die sich im Allwetterzoo Münster um die sechs Asiatischen Elefanten kümmern, bereiten sich und die Tiere derzeit auf den so genannten geschützten Kontakt vor. Der Kerngedanke dabei: Die Elefanten-Herde bleibt sich selbst überlassen - so weit das in einem Zoo überhaupt möglich ist. Die Pfleger werden zwar noch Kontakt zu den Tieren haben, aber eben nicht mehr wie bislang hautnah, sondern getrennt durch Stahlgitter.

Elefant im Gehege, rechts Stahlgitter und Baufahrzeug

Stahlgitter wurden inzwischen montiert

Die Gitter sind in den vergangenen Monaten nach und nach montiert worden, zusätzlich wurde der Stall im Elefantenhaus umgebaut. "Ich freue mich nicht darauf", gibt Adler unumwunden zu. "Wenn man nicht mehr reingehen und direkt zwischen den Elefanten stehen und eins mit denen sein kann, dann ist das etwas ganz anderes."

Viele emotionale Momente erlebt

Der Tierpfleger hat in den vergangenen 20 Jahren große emotionale Momente im Elefantenhaus erlebt. Er war bei zwei Elefantengeburten dabei, er hat mitgefiebert und mitgelitten und am Ende Tränen vergossen, weil die Jungtiere es nicht schafften und starben. Das wird in Zukunft anders sein. Adler und seine Kollegen werden nur noch Zaungäste sein dürfen. Denn dann gilt: kein menschlicher Eingriff ins Elefantenleben.

Pfleger behandelt Elefantenfuß

Noch haben die Pfleger engen Kontakt zu den Elefanten

Das sei artgerechter, sagt Zoo-Biologe Dirk Wewers. Er hat aus anderen Zoos gehört, dass sich bei den Elefanten nach der Umstellung eine andere Herdenstruktur ausgebildet hat. "Zurzeit ist der Pfleger das dominante Tier in der Herde und die Elefanten müssen sich immer auf den Menschen einstellen. Das fällt dann weg", sagt Wewers.

Nach Tigerangriff: Sicherheit im Zoo

Erste Überlegungen, die Elefantenhaltung in Münster umzustellen, gab es schon vor Jahren. Im Jahr 2013 wurde es dann konkret. Anlass war der Tiger-Angriff, bei dem ein Tierpfleger im Allwetterzoo Münster starb. Es ging plötzlich um die Sicherheit im Zoo, nicht nur bei den Tigern. Sämtliche Anlagen wurden überprüft, auch das Elefantenhaus.

"Das Arbeiten mit Elefanten ist immer in gewisser Form gefährlich. Allerdings haben wir fünf Kühe, die sind lammfromm. Da hätte ich keine Sorge, mit den Tieren zu arbeiten", meint Dirk Wewers. "Aber vielleicht haben wir in fünf oder zehn Jahren mal zwei,drei Elefanten, zu denen man besser nicht reingehen sollte, weil sie aggressiv sind. Und dann hätten wir kein Problem im geschützten Kontakt."

Training hat begonnen

Revierleiter Adler versucht, das Beste aus der Situation zu machen. Zurzeit übt er mit den Elefanten schon den Umgang im geschützten Kontakt. Dabei steht er auf der einen Seite des Gitters und gibt den Tieren auf der anderen Seite Befehle, die sie dann ausführen müssen.

Elefant hinter Gittern, rechts ein Pfleger, der mit dem Tier trainiert

Training durchs Gitter hat begonnen

Mit den jüngeren Elefantenkühen Corny und Ratna klappt das mittlerweile schon ganz gut. Sie nehmen auf Kommando die Position ein, die der Tierpfleger von ihnen verlangt, beispielsweise, wenn er sie durch die Gitterstäbe hindurch abduschen will. Noch sind das nur Übungen. Ende April wird es dann ernst, dann soll mit Unterstützung eines erfahrenen Kollegen aus Wien die endgültige Umstellung erfolgen.

Diese Umstellung wird auch Konsequenzen für die bei vielen Zoobesuchern so beliebte Elefantenfütterung haben. Der Zoo will die Fütterung unbedingt erhalten und wird deshalb auch auf der Außenanlage Absperrungen montieren lassen, für den geschützten Kontakt zu den Elefanten.

Stand: 15.03.2017, 20:00