Drastische Verkehrserziehung in Rheine

Auf einer Bühne, vor einer Leinwand steht ein uniformierter Polizist.

Drastische Verkehrserziehung in Rheine

  • Verkehrsprävention für 500 Jugendliche
  • Emotionale Berichte von Unfallhelfern
  • Weniger junge Unfallverursacher im Kreis Steinfurt

Mit dem Crash Kurs NRW sollen Schüler zwischen 16 und 17 Jahren zu sicherem Verhalten im Verkehr motiviert werden - und damit die Zahl von Verkehrsunfällen, vor allem solche mit jugendlichen Beteiligten, gesenkt werden. Rund 500 Jugendliche waren deshalb am Dienstag (14.11.2017) in die Rheinenser Stadthalle gekommen.

Heilsamer Schock

"Es geht durchaus um heilsames Schockieren" sagte Reiner Schöttler von der Kreispolizei Steinfurt, die die Veranstaltung regelmäßig seit fünf Jahren durchführt. Die Veranstalter wollen den zukünftigen Fahranfängern begreifbar machen, was bei einem schweren Verkehrsunfall passiert. Dazu sind Polizisten, Feuerwehrleute, Seelsorger, Notärzte und Rettungssanitäter in die Stadthalle gekommen, um den Schülern von den schlimmsten Unfällen zu berichten, zu denen sie je gerufen wurden.

In einer Aula sitzen viele junge Menschen und schauen zu einem Mann, der auf die Bühne geht.

Gut besucht war die Stadthalle Rheine heute beim Crashkurs NRW.

Da erzählt eine Rettungssanitäterin etwa von der jungen Frau, die nahezu alle Knochen im Körper gebrochen hatte, als sie am Unfallort an der B70 eintrifft, und die ihr unter den Händen wegstirbt. Ein Polizist berichtet mit stockender Stimme, wie schwer es war, als er die Eltern eines Jugendlichen darüber informieren musste, dass ihr Kind gestorben war. Und ein junger Mann, der heute im Rollstuhl sitzt, erzählt von seinem eigenen Unfall. An den Folgen leidet er noch immer, Jahre später.

Zahl der jungen Urfallverursacher im Kreis Steinfurt geringer

Pro Jahr ereignen sich in NRW 550.000 Verkehrsunfälle, rund 600 Menschen werden dabei getötet. Überproportional viele Unfälle werden von Fahranfängern verursacht, viele davon von jungen Männern. Leichtsinn, Alkohol und andere Drogen, zu schnelles Fahren: Das sind die Hauptursachen.

Auf einer Leinwand ist ein demolierter Unfallwagen zu sehen.

Mit solchen Fotos heftiger Unfälle sollten die Jugendlichen zum Nachdenken über ihr eigenes Verhalten gebracht werden.

Die Veranstalter in Rheine belassen es nicht nur bei den Erfahrungsberichten: Sie zeigen Fotos von Unfällen. Drastische Fotos von Leichen, von völlig zerstörten Autos. Fotos, die so nie in den Medien auftauchen, weil sie zu schockierend sind. Das Projekt Crash-Kurs NRW gibt es seit sieben Jahren und es ist erfolgreich: Allein im Kreis Steinfurt ist in den vergangenen Jahren die Zahl der jungen Unfallverursacher oder –beteiligten von 24 Prozent auf 18 Prozent gesunken, so Reiner Schöttler von der Kreispolizei Steinfurt.

Emotional fordernd

Als die knapp anderthalbstündige, emotional fordernde  Veranstaltung an diesem Vormittag zu Ende ist, verlassen die Schülerinnen und Schüler sichtlich geschafft die Stadthalle Rheine. "Krass" fanden es einige. Manche fanden es auch zu heftig. Kalt hat es keinen gelassen.

Stand: 14.11.2017, 20:00