Münsteraner entscheiden gegen verkaufsoffene Sonntage

Befürworter und Gegner: Von links nach rechts: Bernd Bajohr, Gewerkschaft Verdi, Martin Mustroph, Ev. Thomasgemeinde Münster, Matthias Lückertz, Sprecher Kaufmannschaft Münster

Münsteraner entscheiden gegen verkaufsoffene Sonntage

Von Petra Brönstrup

In Münster haben sich die Bürger gegen verkaufsoffene Sonntage entschieden. Fast 250.000 Münsteraner waren stimmberechtigt. Während Gewerkschaftsvertreter sich am Sonntagabend (06.11.2016) freuten, zeigten sich die Einzelhändler enttäuscht.

Auf "Ja" - und damit gegen die verkaufsoffenen Sonntage - entfielen 52,79 Prozent der abgegebenen Stimmen, so das vorläufige Endergebnis. 47,21 Prozent stimmten demnach mit "Nein", also für die verkaufsoffenen Sonntage. Fast 250.000 Münsteraner waren aufgerufen, sich an diesem Bürgerentscheid zu beteiligen. 55.105 gültige Stimmen wurden abgegeben.

Bernd Bajohr von der Gewerkschaft hatte zusammen mit Kirchenvertretern gegen die verkaufsoffenen Sonntage in Münster gekämpft. Nach der Entscheidung war er zufrieden: "Auch wenn es vielleicht an anderer Stelle wehtut, wir müssen konstatieren, wir haben das Quorum erreicht, damit hat der freie Sonntag gewonnen." Bei den Einzelhändlern sorgte das Ergebnis für lange Gesichter. Sie befürchten jetzt massive Wettbewerbsnachteile, wie Matthias Lückertz vom Verein der Kaufmannschaft zu Münster erläutert: "Die Zeiten ändern sich, das Leben ändert sich, der Handel ändert sich, das Internet ist 24 Stunden sieben Tage die Woche geöffnet." Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe bedauerte die geringe Wahbeteiligung und forderte für die Zukunft neue gesetzliche Regelungen für die Sonntagsöffnung.

Bündnis: Verdi und die Kirchen

Bürger erwarten im Rathaus Münster das Ergebnis

Bürger erwarten im Rathaus Münster das Ergebnis

Initiatoren des Bürgerentscheids waren die Gewerkschaft Verdi und die evangelische und katholische Kirche. Sie hatten im Mai dieses Jahres die "Initiative Freier Sonntag in Münster" gegründet, inzwischen "Bündnis für den freien Sonntag". Anlass war der Ratsbeschluss vom 11. Mai 2016. Danach sollte in Münster bis zum Jahr 2019 jedes Jahr eine ganze Reihe von verkaufsoffenen Sonntagen in der Innenstadt und in verschiedenen Stadtteilen stattfinden, zur Freude der Einzelhändler. Der Gewerkschaft und den Kirchen ging das jedoch zu weit. Sie wollten, dass der Sonntagsverkauf die Ausnahme bleibt, und forderten deshalb, den Ratsbeschluss zur Ladenöffnung an Sonntagen aufzuheben.

Gerichte untersagen verkaufsoffene Sonntage

Mehrere Menschen halten große weiße Leinwand hoch, auf der steht "Verdi=Totengräber der Stadtteile!"

Einzelhändler sagen "Nein"

Die Gewerkschaft Verdi war schon vor dem Bürgerentscheid gegen mehrere verkaufsoffene Sonntage vor Gericht gezogen und hatte Recht bekommen. So musste die Stadt Münster unter anderem den anlässlich der Herbstkirmes geplanten verkaufsoffenen Sonntag absagen. Auch der Sonntagsverkauf am zweiten Adventssonntag in der Innenstadt und an der Hammer Straße kann nicht stattfinden, ebensowenig der verkaufsoffene Sonntag anlässlich des "Lichterfestes" im Stadtteil Hiltrup Ende November. Die Einzelhändler hatten sauer reagiert: Viele Bürger würden glauben, dass der Bürgerentscheid mit den Gerichtsentscheidungen überflüssig geworden sei. Die Gewerkschaft Verdi sah das anders. Sie wertete den Bürgerentscheid als politische Richtungsentscheidung, für oder gegen künftig geplante verkaufsoffene Sonntage.

Es gab keine Mindestbeteiligungsquote bei dem Bürgerentscheid, wohl aber ein Quorum. Danach sollte das Lager mit den meisten Stimmen nur gewinnen, wenn es eine Mindestanzahl von Stimmen erhielt. Die lag bei diesem Bürgerentscheid bei 24.712, also 10 Prozent aller Abstimmungsberechtigten. Am Ende stimmten gut 29.000 mit "Ja".

Stand: 07.11.2016, 08:19