Forschung gegen automatische Meinungsmache im Web

Forschung gegen automatische Meinungsmache im Web

Von Stefan Michel

Hinter vielen Profilen bei Twitter, Facebook und Co. stecken keine Menschen, sondern Computerprogramme, genannt Bots. Sie werfen zum Beispiel massenhaft Hass-Botschaften ab. Forscher der Uni Siegen haben den Bots den Kampf angesagt.

Hashtag "Kanaken"

Bots für automatisierten Fremdenhass

Für computerkundige Fremdenhasser sind Social Bots, falsche Profile in sozialen Netzwerken, ein großartiges Werkzeug. Bei Twitter zum Beispiel werden Hashtags (Schlagworte) "wie Pegida oder 'Refugees not welcome' von Bot-Netzen aufgegriffen", sagt Simon Hegelich vom Forschungskolleg der Uni Siegen. "Sehr viele Nachrichten zu diesen Hashtags werden nicht von Menschen gepostet, sondern von Bots." Das können zehntausende Hasskommentare pro Tag sein, vollautomatisch gepostet. "Social Media Forensics" nennt sich das Anti-Bots-Forschungsprogramm, in dem er arbeitet.

Bots fälschen Bewertungen

Icon und Schriftzug von Twitter

Echte oder Bots-Bewertung?

Aber Bots (bzw. die Menschen, die sie programmiert haben) sind nicht nur für rechte Hetze verantwortlich, sie sind "ein ganz großes Problem für alle Internet-Seiten mit sozialer Interaktion", so Hegelich. Beim Internethändler Amazon etwa "haben wir ganz viele Bewertungen, die automatisch erstellt sind, die nicht echt sind." Zwischen zehn und 20 Prozent der Profile in sozialen Netzwerken seien gefälscht, seien Bots, die unter anderem falsche Bewertungen und politische Stimmungsmache verbreiten.

Bots machen Wahlkampf

Simon Hegelich, Studienleiter an der Uni Siegen

Simon Hegelich

Bots als Wahlkampfinstrument – das ist relativ neu. Die Profile bekannter Politiker "sind sehr populäre Profile und für Bots interessant, um sich da dran zu hängen. 2013 in Mexiko ist massiv mit Bots Wahlkampf gemacht worden", ist der Siegener Forscher überzeugt. Der Politiker selbst kann Bots zu seinen Gunsten einsetzen. "Wenn ich 500.000 falsche Twitter-User habe, dann kann ich die auf Knopfdruck dazu bringen, dass die Werbung für mich machen." Ebenso gut können natürlich Gegner eines Politikers Bots gegen diesen einsetzen.

Bots tarnen sich als User

Facebook-Like

Wer liket hier?

Echte User von Bots zu unterscheiden, "das wird immer schwieriger", sagt Hegelich. "Bots verbringen sehr viel Zeit damit, so zu tun, als wären sie ganz normale User. Die ahmen das Verhalten normaler User nach." Hinweise auf ein Bot können sein, "wenn ein komisches Bild benutzt wird oder überhaupt keines. Oder wenn zu ungewöhnlichen Zeiten gepostet wird."

Auch für die Soziale-Medien-Forensiker der Uni Siegen ist es keine leichte Aufgabe, die Bots zu entlarven. "Wir bauen sehr große Datenmengen auf, einerseits von Accounts, von denen wir wissen, dass es Bots sind. Und andererseits von echten Usern. Und dann findet der Computer selbstständig Muster in diesen Daten, anhand derer man zwischen Bots und echten Usern unterscheiden kann." Da liegt aber noch ein ganzes Stück Arbeit vor den Siegenern.

Stand: 23.02.2016, 10:36