Bethel räumt Medikamenten-Versuche ein

Bethel räumt Medikamenten-Versuche ein

Auch in den von Bodelschwinghschen Stiftungen in Bethel hat es in den 1960er Jahren Medikamententests an Kindern gegeben. Das haben die Stiftungen am Donnerstag (20.10.2016) bestätigt.

1961 seien Epilepsie-Patienten mit dem Medikament Encephabol behandelt worden. Unabhängig von der damaligen Rechtslage sei dies ein Verstoß gegen Menschenwürde und Menschenrechte, sagte Günther Wienberg, Mitglied im Vorstand des Diakonieträgers. "Aus ethischer Sicht ist damals problematisch gehandelt worden", so Wienberg: "Das tut uns leid." Die Kinder oder deren Eltern seien nach derzeitigem Stand nicht über die Testreihen informiert worden. Wenn das wirklich so gewesen sei, "würde das einen Verstoß gegen die Menschenwürde und die Menschenrechte dieser Patienten bedeuten." Bethel kündigte eine sorgfältige und gründliche Aufklärung an. Die Patientenakten würden jetzt ausgewertet.

Merck bestätigt die Versuche

Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel

von Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel

Das Medikament Encephabol kam drei Jahre später auf den Markt und wird bei Störungen der Hirnleistung eingesetzt. Merck legte am Donnerstag einen internen Vermerk aus dem Archiv vor, der die Angaben bestätigt. Aus dem Schreiben geht hervor, dass ein Arzt das Mittel bei 38 Epilepsie-Kranken in Bethel getestet hatte. Es habe keine deutliche Besserung bewirkt. Die meisten Fälle seien unbeeinflusst geblieben.

Pharmazeutin deckte Versuche auf

Nach Berichten des ARD-Magazins "Fakt" und des WDR war bekannt geworden, dass auch an Essener Heimkindern Ende der 1950er Jahre das beruhigende Neuroleptikum Decentan getestet worden war - mit erschreckenden Auswirkungen wie Schrei- und Blickkrämpfen oder psychischen Veränderungen, vermutlich durch Überdosierungen. Merck hatte auch diese Unterlagen bestätigt. Es gebe aber keine Hinweise darauf, dass die Tests im Auftrag des Unternehmens durchgeführt worden seien.

Aufgedeckt hat die Fälle die Pharmazeutin Sylvia Wagner. Sie hatte Archive sowie historische Fachzeitschriften ausgewertet und Belege für bundesweit etwa 50 Versuchsreihen gefunden.

Stand: 20.10.2016, 19:46