Älteste Münsteranerin wird 110

Aenne Stockhorst

Älteste Münsteranerin wird 110

Von Marco Poltronieri

"Ein paar Jährchen hätt' ich schon noch gerne, ich bin topfit", erzählt die rüstige Dame. Aenne Stockhorst heißt sie und sie feiert am Dienstag (20.12.2016) ihren 110. Geburtstag.

Schmunzelnd erzählt die älteste Münsteranerin, wie ihr Hausarzt dachte, sie habe sich einen anderen Arzt gesucht, weil sie ein ganzes Jahr lang nicht mehr zu Untersuchungen kam. Dabei war einfach nichts, Aenne Stockhorst ging es blendend, Beschwerden gab es keine.

Aenne Stockhorst und Töchter

Die Töchter Ursula (links) und Rita (rechts) kümmern sich um Aenne Stockhorst

Aus Isselburg stammt die betagte Dame, ihr Mann war Dom-Organist. Auf Umwegen kam sie 1950 nach Münster und blieb. Von ihren drei Kindern leben noch zwei: Tochter Rita Dierksmeier, 75 Jahre alt, und Tochter Ursula Stockhausen, 72 Jahre alt, ein Bruder verstarb früh. Die beiden Frauen kümmern sich aufopferungsvoll um ihre Mutter. "Am Vormittag wird sie aus ihrem Haus abgeholt, am Abend wieder zurückgebracht", erzählt Rita Dierksmeier. "Meine Schwester und ich, wir wechseln uns wochenweise damit ab. Denn meine Mutter will bespaßt und verwöhnt werden. Sie kann schlecht auch nur eine Stunde allein sein und ist immens neugierig. Da muss immer was gehen."

Schnaps statt Sport

Das macht natürlich Arbeit, aber für die Familie ist es auch ein Zugewinn. "Wir haben ein großes Einvernehmen, mit allen", schildert Aenne Stockhorst selbstbewusst, "alle kommen mit allen gut aus". Was das Geheimrezept ihres langen Lebens ist ? "Auf keinen Fall Sport, dafür bin ich zu faul. Dafür gönne ich mir vor dem Mittagessen regelmäßig einen Aufgesetzten, ein Schnäpschen. Und da ist noch meine große Leidenschaft, die klassische Musik und die Oper." Nicht zu vergessen die tägliche Strickerei, Handarbeiten zählen ebenso zu ihren Hobbys.

Immer aktiv

Sicher ist: es muss immer was los sein bei Aenne Stockhorst, die nichts so fürchtet als die Langeweile. Vor drei Jahren, im Alter von 107, flog sie mit der Familie nach Boston, ein Verwandter heiratete dort. Als sie Tage später wieder nach Münster zurückkam, wollte sie noch am selben Tag nach Bayreuth, die Tochter besuchen. Und machte das auch. Tochter Rita gefiel das erst gar nicht, gab jeden Widerstand aber schnell auf. "Da fiel uns nichts mehr ein. Wir haben sie gewähren lassen. Alles andere hätte auch nichts genutzt."    

Stand: 20.12.2016, 10:38