Starkregen: Sind Wasserschäden vermeidbar?

Feuerwehrmann steht an der Kellertreppe  eines Einfamilienhauses

Starkregen: Sind Wasserschäden vermeidbar?

"Schnauze voll wegen Keller voll": Auch beim gestrigen Unwetter lief Wasser in mehrere hundert Häuser in ganz NRW. Wie können sich Hausbesitzer schützen? Was können Abwasserbetriebe tun? Fünf Fragen zum Unwetter.

Auf welchen Wegen dringt das Wasser in Keller und Häuser ein?

Wenn die Kanalisation überlastet ist, drückt es das Wasser durch die Abflüsse in die Häuser: Das können Toiletten sein, Waschbecken oder Abläufe im Boden. Allerdings kommt es bei Starkregen oft vor, dass das Wasser gar nicht erst die Kanalisation erreicht, sondern sich über Dächern und Straßen sammelt und dann nicht von unten, sondern über die Oberfläche in die Häuser eindringt.

Grafik zu Überflutung bei Starkregen

Zudem kann es vorkommen, dass sich Sickerwasser in schwach durchlässigen Erdschichten im Boden sammelt. Bei länger anhaltenden Niederschlägen kann dieses durch Wände und Leitungen drücken oder die Hauskonstruktion schädigen.

Auf welche Regenmengen sind die Kanalisationen ausgerichtet?

Die Abwassersysteme der Kommunen orientieren sich am so genannten Bemessungsregen. Mit diesem wird eine überdurchschnittlich hohe, nur alle paar Jahre auftretende Regenmenge bezeichnet, die die Kanäle, Abwasser- und Versickerungssysteme aufnehmen können müssen.

Dennoch treten bei schweren Gewittern regelmäßig Regenmengen auf, die die Menge des Bemessungsregen weit überschreiten. So fielen am Mittwochnachmittag (19.07.2017) in Köln-Stammheim laut WDR-Wetterdienst 69 Liter Regen pro Quadratmeter. Das sind Werte, die normalerweise in einem ganzen Monat fallen. Eine hundertprozentige Absicherung gegen die Folgen von Starkregen sei technisch nicht möglich, sagen die Entwässerungsbetriebe in NRW.

Kann man die Kanalisation ausbauen, damit sie mehr Wasser aufnimmt?

In den meisten Städten ist das nicht möglich. "Der Bau von Kanälen, die solche Wassermengen vollständig ableiten können, ist nicht realisierbar", heißt es beispielsweise von den Städtischen Entwässerungsbetrieben in Köln. In dicht bebauten Städten mit Leitungen, die sich durch die Straßen ziehen, gebe es nicht genug Rückhalteraum. Zudem würde ein solcher Ausbau, wenn er denn möglich wäre, für einen enormen Anstieg der Abwassergebühren sorgen.

Was können Hausbesitzer gegen Wasserschäden unternehmen?

Wer ein Haus baut, sollte schon bei der Planung Vorsorge gegen Starkregenfälle treffen. So wird empfohlen, nicht in Senken oder Mulden zu bauen und das Gelände abfallend vom Haus zu gestalten. Zudem kann man Oberflächenwasser zur Versickerung in Bodensenken leiten, Treppen, Fenster und Lichtschächte mit Aufkantungen sichern oder tiefer liegende Grundstücksflächen mit Bodenschwellen schützen.

Es können Hebeanlagen oder Rückstauverschlüsse installiert werden, um sich vor Wasser aus der Kanalisation zu schützen. Diese können auch nachträglich eingebaut werden. Das gilt auch für Abdichtungen, die von außen oder innen an die Wände angebracht werden, sowie für Harz-Injektionen, mit denen Mauern wasserundurchlässig gemacht werden.

Die Städtischen Entwässerungsbetriebe bieten Checklisten und Empfehlungen an, an denen sich Hausbesitzer orientieren können.

Welche Versicherung übernimmt welche Schäden?

Hausrats- und Gebäudeversicherungen zahlen in der Regel nicht, wenn Wasser ins Haus fließt und dort Schäden verursacht. Starkregen, der ins Haus eindringt, gilt als Elementarschaden und kann durch eine entsprechende Versicherung abgedeckt werden. Wer eine Elementarschadenversicherung abschließt, muss am Gebäude entsprechende Sicherungen wie Rückschlagklappen anbringen. Die Versicherung kann den Versicherungsschutz verweigern, wenn das Haus in einem Hochwasser-Risikogebiet liegt oder wenn dort schon mehrmals Wasser in den Keller gelaufen ist.

Stand: 20.07.2017, 13:10