Flughafen Köln-Bonn: Geschäftsführer beurlaubt

Flughafen Köln-Bonn: Geschäftsführer beurlaubt

  • Aufsichtsrat des Flughafens Köln/Bonn beurlaubt Geschäftsführer
  • Vorwürfe gegen die Geschäftsleitung des Airports
  • Prüfung der Verdachtsmomente geht weiter

Die Beurlaubung des Geschäftsführers des Flughafens Köln/Bonn, Michael Garvens, gilt "ab sofort bis zum 15. 12. 2017", dem Tag der Aufsichtsratssitzung. Das teilte Aufsichtsratschef Kurt Bodewig am Freitagabend (10.11.2017) mit. Seit 9 Uhr morgens hatte der Aufsichtsrat des Köln-Bonner Flughafens getagt und beriet sich über einen vorläufigen Untersuchungsbericht, in dem Wirtschaftsprüfer und eine Rechtsanwaltskanzlei verschiedenen Vorwürfen gegen das Management nachgegangen sind.

Eine Million Euro ohne Gegenleistung?

Der Bericht liegt dem WDR vor. Ursprünglich hatte sich offenbar ein Whistleblower aus dem Unternehmen an den Aufsichtsrat gewandt. Der strafrechtlich gravierendste Vorwurf bezieht sich auf eine Geldzahlung von mehr als einer Million Euro an ein Frachtunternehmen, obwohl es angeblich keine Gegenleistung gab.

Darüber hinaus sollen leitende Angestellte für längere Zeiträume freigestellt worden sein - im extremsten Fall soll es sich um mehr als elf Jahre handeln. Außerdem soll ein Brandschutzmangel am Flughafen erst mit erheblichen Verzögerungen beseitigt worden sein.

Garvens: "Nicht begründeter Verdacht"

Der Geschäftsführer des Flughafens Köln/Bonn: Michael Garvens.

Michael Garvens

Bodewig kündigte eine Fortsetzung der laufenden Untersuchungen an, "um die im Bericht vom 10.11.2017 offen gebliebenen Punkte einer abschließenden Klärung zuzuführen." Bis Ende der kommenden Woche soll die Geschäftsführung schriftlich angehört werden. Garvens hatte sich am Mittwoch (08.11.2017) in einem Brief an den Aufsichtsrat gewandt und die Vorwürfe als "nicht begründeten Verdacht" zurückgewiesen. "Die Zweifel wurden nicht ausgeräumt", hieß es aus dem Aufsichtsrat.

Grüne wollen Vorwürfe im Landtag debattieren

Am Montag (13.11.2017) hat auch die Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufgenommen. Und auch in der Landespolitik wird der Ruf nach Aufklärung immer lauter. Die Grünen haben für die kommende Woche eine Aktuelle Stunde im Landtag beantragt. Der Verkehrsexperte der Fraktion, Arndt Klocke, spricht von "schwerwiegenden Vorwürfen", die umgehend aufgeklärt werden müssten. Ähnlich äußerte sich Martin Börschel, der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD.

Laschet entsendet Friedrich Merz in den Aufsichtsrat

Der Fall hat noch eine weitere Dimension. Denn just in dieser Woche hat NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) angekündigt, den Chefposten im Flughafen-Aufsichtsrat neu besetzen zu wollen. Laschet schlägt für diesen Job seinen Parteifreund Friedrich Merz vor.

Aufsichtsratschef Bodewig (SPD) soll den Untersuchungsbericht angeregt haben. Dass er ausgerechnet jetzt weichen müsse, halten SPD und Grüne für einen "bemerkenswerten Vorgang".

SPD und Grüne kritisieren Neubesetzung

"Ausgerechnet in dieser heiklen Phase nimmt Ministerpräsident Laschet offenbar in Kauf, die Arbeit im Aufsichtsrat zu behindern", sagt Börschel dem WDR. "Es mag Zufall sein", sagt Klocke, "aber ich habe große Fragezeichen." Das Land NRW hält 30 Prozent der Anteile am Köln-Bonner Flughafen.

Die Landesregierung verteidigt die Entsendung vom Merz. Es sei "geübte Praxis", bei einem Regierungswechsel Mandate in Gremien von Unternehmen, an denen das Land beteiligt ist, neu zu besetzten. Die Aufklärung der Vorwürfe gegen das Flughafen-Management werde die Landesregierung "vollumfänglich unterstützen".

Stand: 13.11.2017, 19:22