"Die Schüler haben gerufen: Trump - Buh!"

Donald Trump und junge Schüler

"Die Schüler haben gerufen: Trump - Buh!"

Von Andreas Sträter

  • Kinder in NRW haben Angst nach der Wahl des neuen US-Präsidenten Donald Trump
  • Schulpsychologin: Lehrer und Eltern sind gefordert, weil Kinder Antworten auf schwierige Fragen verdienen
  • Auch in Grundschulen sind die Präsidentenwahlen bereits ein Thema

"An so einem Tag ist es schwierig, sich mit anderen Unterrichtsinhalten als mit der US-Wahl zu beschäftigen", sagt Meike Fritz, Lehrerin für Englisch und Sozialwissenschaften am Mataré-Gymnasium in Meerbusch-Büderich. "Die Schüler sind heiß darauf, zu diskutieren, Fragen zu stellen und über das Thema zu reden", erläutert die Lehrerin am Mittwoch (09.11.2016). In der Schule dürfe es nicht nur um Klischees gehen, sondern auch um Ursachen und sozialwissenschaftliche und wirtschaftliche Hintergründe.

Den Ausgang der Wahl erörtert Meike Fritz deshalb nicht nur mit ihrem Englisch-Leistungskurs, sondern auch mit den jüngeren Schülern aus der sechsten Klasse. "Es erscheint mir wichtig, den Kindern die Zusammenhänge zu erklären", sagt sie.

"Verzweifelt und fassungslos"

An einem anderen Gymnasium, dem der Stadt Alsdorf (Städteregion Aachen), sagt die Englisch- und Chemielehrerin Rosa Rautenberg: "Unsere älteren Schüler waren nach dem Ausgang der Wahl verzweifelt und fassungslos." In einem Projekt hatten sich die Schüler acht Wochen lang intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt. Die meisten von ihnen seien sich sicher gewesen, dass Hillary Clinton letztlich das Rennen machen werde. Die Schüler erstellten eine Webseite zur Wahl, komponierten Lieder über Donald Trump, malten Cartoons und schrieben Appelle, ihn nicht zu wählen. "Der Diskussionsbedarf war am Ende sehr groß." In den kommenden Wochen will die Lehrerin die Rolle der USA in internationalen Beziehungen thematisieren.

Doch das Schulleben läuft auch nach dem Wahlsieg von Donald Trump weiter, darauf verweist Martin Wüller, stellvertretender Schulleiter an dem Gymnasium. "Auch in andere Fächer kann ein Schwenk gemacht werden, aber die Wahl betrifft hauptsächlich das Fach Politik", sagt er. Wüller könne sich gut vorstellen, das Thema auch vor dem Hintergrund der anstehenden Wahlen in Nordrhein-Westfalen aufzugreifen und etwa Unterschiede im Wahlkampf herauszuarbeiten.

Grundschule: Kinder sprechen über Angst vor einem Krieg

Selbst an Grundschulen ist der neue Mann im Weißen Haus das bestimmende Thema. "Am Morgen nach der Wahl gab es in den Klassenräumen richtige Sprechchöre", berichtet Birgit Mertens, Integrationshelferin an der katholischen Grundschule der Stadt Jülich. "Die Kinder haben gerufen: 'Trump – Buh'", ergänzt sie. Die Stimmung sei aufgeheizt gewesen wie nach einem Fußballspiel. "Die Kinder waren sehr emotionsgeladen", sagt sie. "Die Schüler aus der dritten und vierten Klasse haben sogar Ängste vor einem möglichen Krieg formuliert." Bei den Schülern aus dem ersten und zweiten Schuljahr sei Donald Trump aber noch kein Thema, sagt Ruth Schall, stellvertretende Schulleiterin der Jülicher Grundschule.

Schulpsychologin: Kinder verdienen Antworten

Wie sollen Eltern mit ihren Kindern über dieses schwierige Thema sprechen? "Wenn Kinder Fragen haben, dann haben sie auch Antworten verdient", erläutert Annette Greiner vom Landesverband Schulpsychologie NRW. "Man sollte Kindern ein Thema wie die US-Wahlen aber auch nicht aufdringen", sagt sie. Eltern rät sie, mit einem gewissen emotionalen Abstand in Ruhe zu überlegen, wie sie ihren Kindern das Thema erklären können. Der Schule komme in diesem Zusammenhang eine wichtige Aufgabe zu: "Schule muss politische Bildung betreiben", sagt Greiner.

Berufsschüler: Wie geht es mit dem Handelsabkommen weiter?

Etwas älter sind die Schüler am Hubertus-Schwartz-Berufskolleg in Soest. Auch dort gibt es aktuell großen Diskussionsbedarf. "Das liegt ja auf der Hand, weil es bei uns am Berufskolleg hauptsächlich um Wirtschaftsthemen und Globalisierung geht", sagt Markus Schröder, Lehrer für Politik, Geschichte und Englisch. "Selbst Schüler, die gar kein Interesse an Politik haben, sind bei der Stange geblieben und haben die Entwicklungen am Tag danach intensiv verfolgt."

Die zwischen 18 und 19 Jahre alten Schüler am Soester Berufskolleg seien am Tag nach der Wahl ratlos gewesen – auch, weil sie sich in den vergangenen Wochen intensiv mit Hillary Clinton und Donald Trump auseinandergesetzt hätten. Zudem habe es einen intensiven Austausch zu einer Partnerschule in Minneapolis im Bundesstaat Minnesota gegeben. "In den nächsten Wochen werden wir verfolgen, wie es weitergeht – auch mit den Handelabkommen und der Wirtschaft", sagt der studierte Amerikanist: "Uns stehen intensive Gesprächs- und Diskussionsrunden bevor."

Stand: 10.11.2016, 06:00