Toter in Wesselinger Flüchtlingsheim

Toter in Wesselinger Flüchtlingsheim

Von Nina Magoley

In einer Flüchtlingsunterkunft in Wesseling hat sich ein junger Mann, dessen Asylantrag abgelehnt worden war, offenbar erhängt.

Der Tote war bereits am 16. Juli entdeckt worden: Wie die Stadt Wesseling meldete, habe die Polizei an jenem Sonntagabend in einer Wesselinger Flüchtlingsunterkunft die Leiche eines 26-jährigen marokkanischen Staatsangehörigen aufgefunden. Der Mann habe seit etwa eineinhalb Jahren in der Unterkunft in der West-Devon-Straße gelebt.

Asylantrag abgelehnt

Sein Asylantrag sei allerdings bereits abgelehnt gewesen, sagt Simon Schall, Sprecher beim zuständigen Rhein-Erft-Kreis. Seit Herbst 2016 sei der junge Marokkaner, der noch vergeblich gegen seine Ablehnung geklagt hatte, ausreisepflichtig gewesen. Ob der Mann psychisch labil war, sei nicht bekannt, so Schall.

Polizei geht von Suizid aus

Man gehe davon aus, dass sich der Mann erhängt habe, bestätigt Peter Adolf, Sprecher der Stadt Wesseling. Auch ein Sprecher der zuständigen Polizei Rhein-Erft-Kreis sagt, man gehe von einem Suizid aus, Drittverschulden scheine nach ersten Erkenntnissen ausgeschlossen.

Leiche war bereits verwest

Ein marokkanischer Flüchtling, der dabei war, als die Leiche gefunden wurde, berichtet, der Körper sei bereits schwarz und voller Fliegen und Maden gewesen. Flüchtlinge im Nachbarcontainer hätten zuvor einen schrecklichen Geruch wahrgenommen, der aus dem Zimmer des Mannes drang. Da er seit Tagen von niemandem mehr gesehen worden war, habe man sich Sorgen gemacht und das Sicherheitspersonal herbeigerufen, das dann die Tür des Containers aufgebrochen hätte.

Protokoll eines Mitbewohners

Ein Mitbewohner war dabei, als Security-Kräfte den jungen Marokkaner tot in seinem Raum in der Wesselinger Flüchtlingsunterkunft fanden. Er kannte den 26-Jährigen und beschreibt ihn als stillen, sehr zurückgezogen lebenden Menschen, der sich in der Unterkunft selten zu den anderen gesetzt hat oder sich an Gesprächen beteiligte. Er habe insgesamt einen depressiven Eindruck gemacht. Dass der junge Mann irgendwelche psychologische Hilfe in Anspruch genommen hätte, sei den Mitbewohnern nicht bekannt.

Eins aber habe er immer wieder beklagt: Er sei sehr unglücklich über die Wohnsituation im Container, habe beim Sozialamt bereits nach einer richtigen Wohnung "wie alle anderen Menschen sie haben" gefragt, was ihm aber verwehrt worden sei.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Außer auf der Homepage der Stadt Wesseling und in einigen Lokalzeitungen war bisher öffentlich nicht über diesen Todesfall berichtet worden. Derzeit ermittelt die Kölner Staatsanwaltschaft zu dem mutmaßlichen Selbstmord im Flüchtlingsheim. Weitere Details möchte der Sprecher der Kölner Staatsanwaltschaft, Ulrich Bremer, daher nicht nennen.

Sicherheitsdienst gibt keine Auskunft

Die Flüchtlingsunterkunft in der West-Devon-Straße ist aus Containern gebaut und soll 56 Menschen Platz bieten. Sie liegt in einem Industriegebiet, Einzelzimmer gebe es dort nicht, sagt der Wesselinger Stadtsprecher Adolf. Allerdings sei die Anlage derzeit lediglich mit 26 Flüchtlingen belegt, möglicherweise stünden einzelne Räume leer.

Keine Auskunft vom Sicherheitsdienst

Zuständig für die Bewachung dieser Unterkunft ist nach Angaben der Stadt die Firma BSS Sicherheitsdienst mit Sitz in Hürth. Mitarbeiter der Firma, so der Stadtsprecher, seien dort über Nacht im Einsatz, tagsüber stünden städtische Betreuer "als regelmäßige Ansprechpartner" vor Ort zur Verfügung.

Bei BSS Sicherheitsdienst will man sich nicht dazu äußern, wie es dazu kommen konnte, dass der junge Mann sich unbemerkt erhängte. Wieviele Mitarbeiter die Firma in dem Heim beschäftigt, was ihre Aufgaben sind - Geschäftsführer Michael Kunkel verweigert auf Anfrage jede Auskunft: "Dazu sagen wir gar nichts".

Stand: 02.08.2017, 11:00