Baustyropor: Entsorgung soll in NRW jetzt leichter werden

Baustyropor: Entsorgung soll in NRW jetzt leichter werden

Baustyropor muss seit Oktober 2016 als Sondermüll entsorgt werden. Handwerker im Land klagen seitdem über Probleme, weil sie das giftige Material bei Entsorgungsfirmen nicht mehr los werden. Jetzt dürfen sie die Entsorger umgehen - übergangsweise.

Ganze Häuser werden in Styropor gepackt, um Energie zu sparen. Die dicken Platten haben aber einen gewaltigen Nachteil: Man wird sie schwer wieder los, wenn sie irgendwann wieder von den Hauswänden runter müssen. Baustyropor enthält das hochgiftige Flammschutzmittel HBCD - ein sehr schwer abbaubarer Schadstoff. Seit dem 1. Oktober 2016 gilt dieser Stoff als Sondermüll, der in Spezialanlagen verbrannt werden muss. Handwerker hatten zunehmend über Entsorgungsprobleme geklagt, auch weil Entsorger die giftige Fracht nicht mehr annehmen wollten.

Dämmung einer Hauswand mit Styropor

Baustyropor: massenhaft verarbeitet

Häufig übernehmen spezielle Entsorgungsfirmen die Beseitigung für die Handwerker. Sie bringen die Materialien dann zu den Müllverbrennungsanlagen. In dieser Dreierkette aber sei einiges schief gelaufen, sagt Frank Seidlitz, Sprecher des Umweltministeriums in NRW. Entweder hätten sich die Entsorger geweigert, das Dämmmaterial mitzunehmen oder hätten dafür hohe Preise aufgerufen. Der Bundesverband der Deutschen Entsorgungswirtschaft (BDE) hatte schon eine Rücknahme der Regelung gefordert. Da war plötzlich die Rede von einem "Entsorgungsnotstand von bislang nie erlebtem Ausmaß". Die Entsorger hätten die Problematik wohl "überdramatisiert", befindet hingegen das Umweltministerium in NRW.

Entsorger zwischenzeitlich übergehen

Am Freitag (21.10.2016) holte das NRW-Umweltministerium nun Vertreter von Firmen, Entsorgern und Anlagebetreibern zum klärenden Gespräch an einen Tisch. Fazit: Übergangsweise können nun die Handwerksbetriebe die kritischen Styroporabfälle direkt zu den Müllverbrennungsanlagen bringen. So könne man die Entsorger als Zwischenglied übergangsweise ausschalten, bis sich der Entsorgungsstau wieder auflöst.

"In NRW verfügen bereits zwölf von 16 Müllverbrennungslangen über entsprechende Zulassungen, um HBCD-haltiges Material auch als gefährlichen Abfall entsorgen zu können", sagt Ministeriumssprecher Seidlitz. Die Betreiber der Müllverbrennungsanlagen hätten nun ihre Bereitschaft signalisiert, die Dämmmaterialien in Reinform von Handwerksbetrieben aus ihrer Region direkt anzunehmen. "Sukzessive bis zu einer Menge von maximal zwei Tonnen."

Dämmmaterial darf als Baumischabfall entsorgt werden

Dämmung einer Hauswand mit Styropor

Dämmung einer Hauswand mit Styropor

Das NRW-Umweltministerium habe darüber hinaus klargestellt, dass HBCD-haltiges Dämmmaterial, das als Abfall auf den Baustellen anfällt, auch weiterhin als Baumischabfall entsorgt werden könne und nicht getrennt erfasst werden müsse. Baumischabfälle mit einem Anteil von weniger als rund 20 Volumenprozent oder weniger als 0,5 Kubikmeter HBCD-haltiger Dämmmaterialien pro Tonne Gesamtgewicht könnten auch weiterhin als nicht-gefährlicher Abfall entsorgt werden können, "weil damit der Grenzwert der europäischen POP-Verordnung sicher eingehalten wird." Die Verordnung regelt das Verbot der Herstellung und der Verbreitung von schwer abbaubaren organischen Schadstoffen.

Um die Relation zu verdeutlichen, rechnet Frank Seidlitz am Ende noch einmal kurz das Müllaufkommen vor: Rund 42.000 Tonnen des giftigen Mülls aus dem Dämmmaterial entstünden im Jahr bundesweit. Dem gegenüber stehen 8,4 Millionen Tonnen Hausmüll - allein in NRW. Dazu käme noch einmal dieselbe Menge Industriemüll.

Die nun erarbeiteten Vorschläge überzeugen jedoch nicht alle Handwerker im Land. Er dürfe gar keinen Sondermüll transportieren, sagt zum Beispiel Gerd Spöler, Chef einer Dachdeckerfirma im Münsterland. Und 20 Prozent Sondermüll unter den üblichen Bauschutt zu mischen sei keine gute Idee und auch gar nicht praktikabel.

Stand: 21.10.2016, 18:44