Studieren in NRW: Semesterstart in der Notunterkunft

Studenten im Hörsaal

Studieren in NRW: Semesterstart in der Notunterkunft

  • Vorlesungsstart an den Unis am Montag (09.10.2017).
  • Studierende in NRW suchen Hörsäle und Seminarräume.
  • Erstsemester suchen oft erst noch eine Wohnung.

Viele Regionen in NRW verzeichnen seit Jahren steigende Studierendenzahlen. Die Folge: Rund um die gefragten Hochschulstandorte wird der Wohnraum knapp. Besonders Studienanfängern fällt es oft schwer, eine passende Wohnung zu finden.

Kölner Notschlafstelle für Studierende

In Köln ist die Wohnungsnot so groß, dass die Studierendenvertretung am Sonntagabend (08.10.2017) eine Notschlafstelle geöffnet hat. Bei der Unterkunft handelt es sich um einen Partyraum, der mit Matratzen ausgestattet wurde. Küche, Schränke und Tische gibt es nicht, dafür aber immerhin Sanitäranlagen.

Ein 20-jähriger Studienanfänger aus Erfurt muss dank des Betts in der Notschlafstelle zumindest nicht mehr auf der Straße schlafen. "Bisher habe ich im Auto gelebt. Das war mein eigenes Haus", sagte er dem WDR.

"Ich schlafe auch in Zelten"

Seine 18-jährige Bettnachbarin ist ebenfalls glücklich über die provisorische Unterkunft. Wie groß der Toleranzbereich vieler Studierenden aufgrund der Wohnungsnot geworden ist, verdeutlicht ihre Aussage: "Ich schlafe auch in Zelten, wenn's sein muss und habe auch überlegt, mich auf einem Campingplatz anzumelden."

Über viel Gepäck verfügt die Niederrheinerin nicht: Ein Jutebeutel mit Klamotten und einer mit Uni-Sachen. Das ist alles, was sie aktuell bei sich hat.

Semesterbeginn: Wohnungsnot in Uni-Städten

WDR 2 | 09.10.2017 | 02:51 Min.

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Grenzüberschreitende Lösung für Aachen

Auch in Aachen ist der Wohnungsmarkt angespannt. Seit 2012 hat sich die Zahl der Studenten an den Hochschulen nach Angaben der Stadt um fast 10.000 erhöht. Die Lösung ist grenzüberschreitend. In Zusammenarbeit mit der niederländischen Gemeinde Vaals ist unmittelbar an der Grenze das Studentenwohnheim Katzensprung entstanden.

Mit Trennwänden wurden in Münster Gemeinschaftsräume in 25 Notunterkünfte verwandelt. Für fünf Euro pro Nacht können Studenten hier schlafen. Wie prekär die Lage in einer der größten Universitätsstädte des Landes ist, verdeutlichen die Zahlen: Die 5.617 Wohnungen des örtlichen Studentenwerks bieten nicht einmal Wohnraum für zehn Prozent der Studierenden.

"Es gibt Arbeitskreise, die wir gemeinsam mit der Stadt bespielen, und dann zusammen mit dem Studierendenwerk nach Lösungen suchen", sagte Professor Johannes Wessels, Rektor der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Das sei beispielsweise die Suche nach privaten Investoren, aber auch im Umland zu schauen, was man in günstigen Wohnraum umwandeln könne.

Wohnraum gegen Hilfe im Alltag

Beim Projekt “De Woonstudent” leben sechs Studenten im Pflegeheim Humanitas im niederländischen Deventer. Jolieke van der Wals (links, 20) wohnt umsonst im Altenheim und muss dafür 30 Stunden im Monat mit den Senioren verbringen.

Ein weiterer Lösungsansatz ist das Projekt "Wohnen für Hilfe". Dabei stellen Senioren, Familien oder Menschen mit Behinderung Wohnraum zur Verfügung. Im Gegenzug helfen Studierende bei der Erledigung alltäglicher Dinge wie Einkauf, Kinderbetreuung, Gartenarbeit und Tierpflege.

Die Faustregel lautet: Eine Stunde Arbeit im Monat pro Quadratmeter Wohnfläche. Positive Beispiele gibt es in Paderborn. "Drei Senioren, eine Familie mit zwei Kindern und ein Mann im Rollstuhl: alleine in diesem Jahr sind fünf neue WGs mit Studenten entstanden", sagt eine Mitarbeiterin des AStA-Sozialbüros.

Stand: 09.10.2017, 11:50