Wohnungsnot wird dramatisch zunehmen

Baustelle

Wohnungsnot wird dramatisch zunehmen

Von Peter Schneider

  • Zahl der Sozialwohnungen wird deutlich abnehmen
  • In manchen Städten hätte jeder Zweite Anrecht auf eine günstige Wohnung
  • Karte zeigt die Prognose für ganz NRW

Ein Rekord im sozialen Wohnungsbau - so hat es NRW-Bauminister Michael Groschek (SPD) Anfang des Jahres verkündet. Die Fördergelder seien markant angestiegen, ebenso die Zahl der preisgünstigen Mietwohnungen. Also alles in Ordnung? Mitnichten.

Der Bestand an Sozialwohnungen in den Städten von NRW ist weiter eingebrochen. Und die Zukunftsaussichten sind düster: Der Bestand an günstigen Wohnungen wird sich bis zum Jahr 2030 zum Teil um weitere 50 Prozent reduzieren. Unsere Karte zeigt, wie groß dieser Rückgang in welcher Stadt ausfällt.

In Nordrhein-Westfalen gab es 1979 mehr als 1,6 Millionen Sozialwohnungen - heute sind es nach Angaben des Bauministeriums noch 476.000. Und das, obwohl nach Auskunft mehrerer Großstädte in NRW zwischen 40 und 60 Prozent der Einwohner die Berechtigung hätten, in eine Sozialwohnung einzuziehen.

Auch wenn in den letzten drei Jahren jeweils etwa 42.000 neue Wohnungen entstanden sind, reicht das nach Ansicht der NRW-Bank nicht, um den Bedarf von etwa 400.000 neuen Wohnungen zu decken. Die Folge: Steigende Mieten und Kaufpreise und damit vor allem für Menschen mit niedrigem und mittlerem Einkommen die Schwierigkeit, eine bezahlbare Wohnung zu finden.

Umfrage bei NRW-Großstädten

Der WDR hat in NRW-Großstädten nach der aktuellen Situation und Entwicklung gefragt. Im Wesentlichen wird die Einschätzung der NRW-Bank aus dem Jahr 2015 bestätigt - allerdings mit Ausnahmen.

In Köln und Münster zeigt sich unter dem Strich ein Anstieg der Sozialwohnungszahl. In Münster lief 2016 die Sozialbindung bei 30 Wohnungen aus, 234 neue kamen hinzu. In Köln wurden 1.304 neue Wohnungen gezählt, bei 524 lief die Bindung aus.

Nachfrage im Umland steigt an

Der Bochumer Immobilienexperte Michael Neitzel vom Institut für Wohnungswesen, Immobilienwirtschaft, Stadt- und Regionalentwicklung bleibt im WDR-Interview dennoch zuversichtlich, dass in den nächsten Jahren genügend Wohnungen zur Verfügung stehen. Voraussetzung allerdings: Die Kommunen müssen die richtigen Anreize für Investoren setzen. Und der Wohnraum in den Großstädten muss weiter verdichtet werden.

Stand: 17.03.2017, 06:00