Groschek will "jetzt raus aus den Sesseln"

Groschek will "jetzt raus aus den Sesseln"

Über den Zustand seiner Partei macht sich SPD-Landeschef Michael Groschek seit Monaten Gedanken - auch im Sommerinterview mit Sabine Scholt. Trotzdem will er wieder Wahlen gewinnen. Vielleicht sogar nächsten Sonntag?

Michael Groschek im Sommerinterview

Treffpunkt mit Symbolkraft

Oben auf dem Dortmunder U weht ein ordentlicher Wind, als sich SPD-Landesvorsitzender Michael Groschek mit der Westpol-Moderatorin Sabine Scholt zum Sommerinterview trifft. Ein Schauplatz mit Symbolik: Das U, eine ehemalige Brauerei, steht für eine gelungene Erneuerung - die braucht auch die SPD dringend, findet Groschek. Schließlich sollen die Sozialdemokraten wieder Wahlen gewinnen.

"Überraschungsei" für Schwarz-Gelb

Die Moderatorin des Interviews Sabine Scholt

Die Moderatorin des Interviews Sabine Scholt

Dass die SPD die Landtagswahl verlor, hat nach Groscheks Analyse drei Gründe und die sind alle hausgemacht: Zu wenig Profil als Regierungspartei, zu wenig klare Kante gegenüber dem Koalitionspartner und "die Selbstsicherheit, dass Laschet Kraft nicht schlagen kann. Der Überraschungssieg war ein richtiges Überraschungsei und Lindner und Laschet waren auch überrascht, diesen Coup zu landen."

Bloß keinen Streit

Die SPD braucht mehr Streit, sagt Groschek. Aber warum erst jetzt und nicht schon zu Regierungszeiten? Lag es an Hannelore Kraft? Nein, sie habe kein hartes Regiment geführt, wehrt Groschek ab. Man habe geglaubt, man müsse linienförmig sein und der Regierung den Rücken stärken. "Wir haben uns in der Regierungsgemütlichkeit zu bequem den Sessel gesucht. Aber wir müssen jetzt raus aus den Sesseln."

Das Dortmunder U - Zentrum für Kunst und Kreativität

Das Dortmunder U steht für den Wandel

Groscheks Ziel: die SPD wieder als Volkspartei etablieren, aber jünger, weiblicher, sozialer, breiter aufgestellt und streitlustiger. "Wer Volkspartei bleiben und Erfolgspartei werden will, muss deutlich machen, dass um die besten Lösungen gerungen wird." Koalitionen sind für ihn da eher schädlich: "Rot-grün, rot-gelb, schwarz-gelb - Koalitionen sind immer Kompromisse." Sein Schluss: "Die SPD muss rot pur sein und das muss man merken." Und was ist mit den AfD-Wählern, die ihre Gipfelkreuze ausgerechnet in den einstigen SPD-Hochburgen errichtet haben, wie er es selbst nennt? "Wir haben wahrscheinlich zu oft weggesehen, wenn die Menschen ihre Alltagsprobleme formuliert haben." Die müssten politisch Vorrang haben und die Parteitage "wieder mehr Alltag abbilden und sich weniger in theoretischen Diskussionen ergehen".

"Basis statt Basta"

Michael Groschek im Interview mit Sabine Scholt

Mehr Mitsprache von unten

Dass die SPD eine Großbaustelle ist, leugnet er nicht. Wie will er da stärkste und modernste Partei werden? Seine Idee: eine Netz-SPD, in der es nicht nur die Ortsvereinkultur, sondern auch digitale Diskussionsräume gibt. "Mitbestimmung darf nicht darauf reduziert werden, Beiträge zu bezahlen." Überhaupt setzt er auf mehr Mitsprache. Als Sabine Scholt ihn fragt, was er von einer Großen Koalition in Berlin halten würde, antwortet er nur ausweichend. Aber er verrät: "Wir werden solche Entscheidungen nur noch qua Mitgliederentscheid treffen. Basis statt Basta ist das Prinzip, solange ich Parteivorsitzender in NRW bin."

Vorsitzender für den Übergang?

Wie lange er das wohl bleibt? Schließlich gehört er eher zur alten Garde. "Ich werde keine 100 Jahre im Amt bleiben. Ich habe mir vorgenommen, die SPD neu aufzustellen, den Übergang zu managen, und das werde ich auch tun." Bis 2018 sei er gewählt, "dann sehen wir weiter und entscheiden gemeinsam, wer kandidiert." Dann soll auch die Partei so weit sein, dass sie Wahlen gewinnt. Die Kommunalwahlen 2020 etwa, für ihn eine "riesige Herausforderung" und besonders wichtig, "denn hätten wir da Misserfolg, wären wir eine politische Dame ohne Unterleib".

Mit Optimismus in den Wahlsonntag

Eine Woche vor den Bundestagswahlen wird der SPD-Landeschef natürlich nach Martin Schulz' Aussichten gefragt. "Ich glaube, Martin Schulz hat eine riesige Chance, dass der nächste Sonntag zu einem echten Martinstag wird." Von den Umfragen lässt er sich nicht beirren: "Wenn in den aktuellen Umfragen deutlich wird, dass drei der fünf beliebtesten Politiker in Deutschland Sozialdemokraten sind, also Steinmeier, Gabriel und Schulz, dann ist befremdlich, dass diese Partei auf dem letzten Platz liegen soll. Ich glaube, dass das Wahlergebnis ein anderes sein wird als das demoskopische Ergebnis."

Stand: 17.09.2017, 14:48