Rätsel um Männergruppen in Köln an Silvester

Polizei und Besucher, Kölner Hbf

Rätsel um Männergruppen in Köln an Silvester

  • Silvesternacht mit Männergruppen an Hauptbahnhöfen Köln und Düsseldorf
  • 900 Platzverweise und 300 Personenkontrollen allein in Köln
  • Laut Polizei war "Gefahr nicht auszuschließen"

Die Bundespolizei hat bisher "noch keine Erklärung dafür", warum so viele junge Männer "auch aus den Maghreb-Staaten" am Silvesterabend am Kölner Hauptbahnhof waren. Dies teilte ein Sprecher der Bundespolizeidirektion Sankt Augustin am Montag (02.01.2017) dem WDR mit. Medienberichte, wonach die Polizei Erkenntnisse über Verabredungen größerer Männergruppen hat, bestätigte der Sprecher der Behörde nicht. Den Begriff "Nafri" für Menschen aus Nordafrika verwendete die Bundespolizei nicht.

1.200 Polizeimaßnahmen in Köln

Die Kölner Polizei verwies am Montagmorgen wegen Nachfragen zu etwaigen Verabredungen an die Bundespolizei, die für die Bahnhöfe zuständig ist. Die Bundespolizei legte erst am frühen Nachmittag ein schriftliches Statement vor. Demnach hat die Bundespolizei in der Nacht in Köln rund 1.200 "polizeirechtliche Maßnahmen ergriffen". Landesweit waren es sogar 1.500 Maßnahmen. Diese hätten "gefahrenerforschenden Charakter" gehabt.

Auch in Düsseldorf auffällige Gruppen

Polizisten vor dem Kölner Hauptbahnhof

Viel Polizei auch vor dem Kölner Hauptbahnhof

Es handelte sich demnach um rund 900 Platzverweise, 300 Personenkontrollen oder Gefährderansprachen. Neben Köln, wo laut Polizei 2.000 Personen den "reisenden größeren Männergruppen" zugeordnet wurden, wurden auch am Düsseldorfer Hauptbahnhof 800 Personen "festgestellt". Angaben zu Straftaten machte die Behörde nicht. Neben Männern aus den Maghreb-Staaten seien auch Syrer, Afghanen und Pakistani darunter gewesen.

"Fahndungsrelevantes Klientel"

Nach den zahlreichen sexuellen Übergriffen in der Kölner Silvesternacht 2015 sowie aufgrund der Terrorgefahr nahm die Bundespolizei nach eigenen Angaben ein konkretes "fahndungsrelevantes Klientel" in den Fokus, so die Bundespolizei - vor allem alkoholisierte Männer zwischen 18 und 35.

Angereist aus dem Ruhrgebiet

Im Laufe der frühen Silvesternacht habe sich abgezeichnet, dass tatsächlich Gruppen alkoholisierter junger Männer - vor allem aus dem Ruhrgebiet - nach Köln und Düsseldorf reisten. Auch Pyrotechnik führten sie mit.

Personaldaten werden ausgewertet

Darum habe man mit Platzverweisen reagiert, um eine Situation wie im Vorjahr zu verhindern. Die Auswertung der bei den Kontrollen festgestellten Personaldaten soll auch genutzt werden, um bei laufenden Ermittlungen zu helfen - etwa in Bezug auf die Kölner Silvesternacht 2015.

Der Polizeieinsatz wird von Politikern, Polizeigewerkschaftern und in sozialen Netzwerken von vielen Bürgern kontrovers diskutiert. Unter anderem wurde der Vorwurf des "racial profiling" erhoben, womit ein gezieltes polizeiliches Vorgehen nach ethnischen Gesichtspunkten bezeichnet wird.

Silvester: Sozialarbeiter spricht von "problematischem Polizeieinsatz"

WDR 5 Westblick - aktuell | 02.01.2017 | 05:41 Min.

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Stand: 02.01.2017, 20:20