So werden Schweine in NRW gezüchtet

Ein Schwein schaut über die Stallabtrennung in die Kamera.

So werden Schweine in NRW gezüchtet

Die Bilder aus dem Stall der Landwirtschaftsministerin Christina Schulze Föcking sind nichts für schwache Mägen. Fragen und Antworten zur Schweinezucht in NRW.

Warum beißen sich die Schweine gegenseitig in die Schwänze?

Dass Schweine sich gegenseitig in die Schwänze beißen, kommt häufig vor. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Schweine unter Stress leiden: In vielen konventionellen Ställen ist es eng, die Tiere können nicht nach draußen, die Luft mit dem stechenden Geruch nach Ammoniak ist schlecht, manche Tiere sind zusätzlich krank. Gleichzeitig langweilen sie sich in den Ställen und haben keine Möglichkeit der Situation zu entfliehen, weil ein Auslauf fehlt. Forscher gehen davon aus, dass all diese Faktoren zusammenspielen, wenn ein Schwein ein anderes beißt.

Was wird gegen das Schweinebeißen unternommen?

In vielen Betrieben wird den jungen Ferkeln der Schwanz coupiert - also abgeschnitten. Die Landwirtschaftsverbände und das Landwirtschaftsministerium haben im Februar 2014 eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet, um schrittweise auf das routinemäßige Coupieren zu verzichten.

Wie viele Schweine gibt es in NRW?

Im Mai 2016 waren es laut Landwirtschaftskammer NRW 7.161.000 Tiere. Nach Niedersachsen ist NRW das Bundesland mit den größten Schweinebeständen. Bundesweit wurden zum Stichtag 3. Mai 2017 laut statistischem Bundesamt 27,1 Millionen Schweine gehalten. Geschlachtet werden jedes Jahr etwa 60 Millionen Tiere.

Nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums lag der Anteil von ökologisch erzeugtem Schweinefleisch 2014 bei 0,5 Prozent. Deutschlandweit wurden weniger als ein Prozent aller Mastschweine und Zuchtsauen in Biobetrieben gehalten.

Wie sehen die Mindeststandards bei konventioneller und bei Bio-Haltung aus?

Diese Standards sind unter anderem in der sogenannten Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung geregelt. Dort ist beispielsweise festgelegt, wie der Boden im Stall beschaffen sein muss und wie viel Platz für jedes Tier vorhanden sein muss. Auch der Gehalt von Ammoniak, Kohlendioxid und Schwefelwasserstoff sowie der Geräuschpegel sind dort festgelegt.

In der Biohaltung haben die Schweine generell mehr Platz im Stall und die Möglichkeit zum Auslauf im Freien. Aber auch hier gibt es Unterschiede: So variiert die Fläche, die jedes Schwein zur Verfügung haben muss, zwischen den einzelnen Ökosiegeln.

Welche Prüfsiegel für Fleisch gibt es und was sagen diese aus?

Es gibt zahlreiche Siegel für Fleisch - aus konventioneller und ökologischer Tierhaltung.

Im Dschungel der Fleischsiegel

Fleischsiegel DLG

Eines der bekanntesten Prüfzeichen ist das goldene Siegel der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG). Mit der Aufschrift "DLD-anerkannt" soll es zeigen, dass das fertige Fleischprodukt durch den Verband geprüft wurde - neben Aspekten wie Aussehen, Geruch und Beschaffenheit spielen dabei auch die Zubereitung, Verpackung, Nährwertangaben und die Haltbarkeit eine Rolle. Die Prüfexperten kommen nach Angaben der DLG "aus der Ernährungswirtschaft, von Forschungsinstituten und Hochschulen sowie aus der Lebensmittelüberwachung". Aussagen über die besonders artgerechte Tierhaltung enthält dieses Siegel nicht.

Eines der bekanntesten Prüfzeichen ist das goldene Siegel der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG). Mit der Aufschrift "DLD-anerkannt" soll es zeigen, dass das fertige Fleischprodukt durch den Verband geprüft wurde - neben Aspekten wie Aussehen, Geruch und Beschaffenheit spielen dabei auch die Zubereitung, Verpackung, Nährwertangaben und die Haltbarkeit eine Rolle. Die Prüfexperten kommen nach Angaben der DLG "aus der Ernährungswirtschaft, von Forschungsinstituten und Hochschulen sowie aus der Lebensmittelüberwachung". Aussagen über die besonders artgerechte Tierhaltung enthält dieses Siegel nicht.

Das "Pro Planet"-Siegel findet sich auf Produkten der Supermarktkette Rewe, die "auch positive ökologische oder soziale Eigenschaften aufweisen" sollen. Begleitet von einem laut Rewe "unabhängigen Beirat" werde das Label an nachhaltig produzierte Produkte vergeben. Bei Geflügelprodukten lautet das unscharfe Versprechen beispielsweise, dass das Fleisch "hauptsächlich aus Deutschland" stamme. Die Rewe Gruppe habe die Erzeuger von Hähnchenfleisch mit dem Pro Planet-Label dazu verpflichtet, den Anteil von meist gentechnisch verändertem Sojaschrot aus Übersee im Futtermittel "schrittweise" zu reduzieren und durch europäisches Futter zu ersetzen.

Einer der Pioniere des Fairen Handels, das 1975 gegründete Unternehmen Gepa, hat mit Fair plus ein eigenes Markenzeichen ausgegeben. Das Siegel soll faire Arbeitsbedingungen bei der Erzeugung, umweltverträgliche Produktion und Mindestpreise für die Hersteller und Bauern garantieren.

Das bekannte EU-Biosiegel kennzeichnet Lebensmittel, die nach den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau hergestellt wurden. Dazu gehört, dass höchstens 0,9 Prozent gentechnisch verändertes Material in den Produkten enthalten sein darf und mindestens 95 Prozent der Inhaltsstoffe aus ökologischem Anbau stammen müssen. Öko-Landwirte werden mindestens einmal im Jahr kontrolliert. Inspiziert werden dann unter anderem Weiden, Ställe und Futtermittel.

Vom Deutschen Tierschutzbund initiiert ist das Siegel "Für mehr Tierschutz". Fleischprodukte, die diese Auszeichnung trage - Geflügel und Schwein -, sollen von Tieren kommen, deren Haltung "einen wirklichen Mehrwert an Tierschutz" gehabt habe, teilt der Tierschutzbund auf seiner Homepage mit. Für verschiedene Tierarten hat der Bund Richtlinien entworfen, an die sich die Erzeuger halten sollen. Die Kriterien sind in zwei Stufen eingeteilt und betreffen Aspekte wie Stallklima, Futter, Licht und Luft, Behandlung mit Antibiotika, Schlachtung. Kontrolliert werden die Betriebe durch Zertifizierungsstellen, die vom Deutschen Tierschutzbund zugelassen wurden. Grundsätzlich könne "jede Zertifizierungs- und Kontrollorganisation die Zulassung beantragen".

Hinter dem Siegel "Tierschutz kontrolliert" steht die Organsiation "Vier Pfoten Deutschland", die sich auf ihrer kargen Homepage selbst als "international tätige Tierschutzorganisation" darstellt. Grundlagen seien "wissenschaftliche Expertise, fundierte Recherchen sowie intensives nationales und internationales Lobbying", heißt es dort allgemein. Vor allem kümmere sich die Initiative um Bären, Großkatzen, Pferde und streunende Hunde und Katzen. Mit dem Fleischsiegel wolle man die Lebensbedingungen der Tiere verbessern. Zu den Kriterien gehören auch hier längere Mastdauer, mehr Stallplatz, kurze Transportzeiten. Kontrolliert würden die Betriebe durch "unabhängige Kontrollstellen", die der Verband selber ernennt. Fleischprodukte mit diesem Siegel sind unter anderem bei Kaufland, Galeria Kaufhof und Penny erhältlich.

Das Label der "Initiative Tierwohl" findet sich auf Fleischprodukten, deren Hersteller sich verpflichten, bei der Haltung von Schweinen und Geflügel bestimmte Grundanforderungen zum Wohl der Tiere zu erfüllen. Dazu gehört ein protokollierter Einsatz von Antibiotika, Tageslicht, deutlich mehr Platz als gesetzlich vorgeschrieben und Beschäftigungsmöglichkeiten für die Tiere im Stall. Penny, Netto, Aldi, Kaufland, Lidl, Real, Rewe und Wasgau beteiligen sich an dem Label, indem sie pro verkauftem Kilogramm Schweine- und Geflügelfleisch vier Cent an die Initiative abführen. Mit dem Geld sollen Tierhalter bei der Umsetzung von Tierwohlmaßnahmen unterstützt werden. 3.270 Betriebe sind nach Angaben der Initiative beteiligt. Auf WDR-Nachfrage teilt der Verband mit: "Das Zeichen der Initiative Tierwohl ist kein Label, sondern eine Produktinformation. Das bedeutet unter anderem, dass am Endprodukt selbst nicht nachvollzogen werden kann, ob es aus einem an der Initiative Tierwohl teilnehmenden Betrieb stammt.

Darauf müssen Sie bei Bio-Fleisch achten

Biofleisch

Vor allem beim Fleischkauf möchten viele Verbraucher es richtig machen. Doch wer Bio-Fleisch beispielsweise abgepackt im Supermarkt kaufen möchte, muss sich zwischen verschiedenen Siegeln entscheiden. Wir haben die Qual der Wahl.

Vor allem beim Fleischkauf möchten viele Verbraucher es richtig machen. Doch wer Bio-Fleisch beispielsweise abgepackt im Supermarkt kaufen möchte, muss sich zwischen verschiedenen Siegeln entscheiden. Wir haben die Qual der Wahl.

"Bei Fleisch ist das eigentlich ganz einfach", beruhigt Christiane Kunzel von der Verbraucherzentrale NRW. "Denn eigentlich sagen die Siegel alle das gleiche aus - egal ob es das deutsche Bio-Siegel, das EU-Bio-Siegel oder das Siegel eines der Bio-Verbände ist."

Denn das entscheidende Kriterium beim Fleisch sei die Tierhaltung. Kunzel: "Da gibt es nur sehr geringe Unterschiede zwischen den Siegeln, das ist bei anderen Lebensmitteln eine ganz andere Sache." Die EU-Bio-Verordnung bilde die Basis bei allen Siegeln.

Für alle Siegel gilt, dass das Futter frei ist von Gentechnik. Geregelt ist auch, dass der Großteil der Futtermittel möglichst vom gleichen Hof stammt. Auch das Futter muss gemäß der Bio-Verordnung hergestellt sein.

Tiere mit Bio-Siegel haben gegebenenfalls mehr Platz im Stall, sie müssen aber auch Auslauf nach draußen haben und dürfen nicht in Käfigen gehalten werden.

Ebenso legt die EU-Verordnung fest, dass die Tiere nur dann Medikamente bekommen, wenn sie krank sind - nicht aber prophylaktisch, wie es häufig in der konventionellen Tierhaltung geschieht.

Woran erkenne ich bei nicht-abgepacktem Fleisch, ob wirklich "Bio" drin ist, wenn "Bio" drauf steht? "Beim Metzger und auch auf dem Markt gilt, dass nur derjenige seine Ware als Bio-Ware verkaufen kann, dessen Produkte auch den Vorschriften entsprechen", sagt Kunzel. Das werde auch von den Behörden kontrolliert. Beim Metzger kann man darüber hinaus auch nachfragen, wenn man Zweifel hat.

Fazit: Die Unterschiede sind gering, daher ist es beim Fleisch-Einkauf vergleichsweise einfach, sich im Siegel-Dschungel zurecht zu finden. Das gelte vor allem im Vergleich zum konventionell erzeugten Fleisch. Verbraucherschützerin Christiane Kunzel: "Da ist der Markt einfach sehr schwierig und überhaupt nicht transparent."

Zudem arbeitet das Bundeslandwirtschaftsministerium aktuell an einem sogenannten Tierwohl-Label. Im nächsten Jahr sollen die ersten Betriebe in zwei Stufen zertifiziert werden. Das Label erhalten Betriebe beispielsweise dann, wenn der Platz im Stall ein Drittel größer ist als der gesetzliche Mindeststandard.

Stand: 13.07.2017, 18:22