Schule kündigt Lieferanten nach fremdenfeindlichen Sprüchen

Schild mit Schriftzug "Schule ohne Rassismus Schule mit Courage"

Schule kündigt Lieferanten nach fremdenfeindlichen Sprüchen

Ein Gymnasium in Dormagen hat seinem Brötchenlieferanten gekündigt. Der Grund: fremdenfeindliche Äußerungen des Geschäftsmanns bei Facebook. Mittlerweile hat sich auch die Politik in den Streit eingeschaltet.

Das Leibnitz-Gymnasium in Dormagen ist eine von über 2.000 Schulen in Deutschland, die sich dem Netzwerk "Schule ohne Rassismus" angeschlossen haben. Die Mitglieder verpflichten sich, aktiv gegen alle Formen von Diskriminierung, insbesondere Rassismus, vorzugehen. Genau diese Selbstverpflichtung sorgt derzeit für hitzige Diskussionen in Dormagen und in den sozialen Netzwerken. Ein mittelständischer Bäckereibesitzer, der auch die Schulcaféteria beliefert, hatte sich auf seinem privaten Facebook-Account über Flüchtlinge geäußert. Unter anderem soll er davor gewarnt haben, dass "Afrikaner uns überrennen" und sich um "die Ausrottung der eigenen Rasse" gesorgt haben.

Hitzige Diskussionen im Netz

Eine Schülerin hatte die Posts entdeckt und sich an ihre Schülervertretung (SV) gewandt. Die SV stellte daraufhin einen Antrag an den Förderverein, der für die Schulcaféteria zuständig ist, die Geschäftsbeziehungen mit dem Bäcker zu kündigen. Ein neuer Brötchenlieferant wurde gefunden. Und damit wäre die Geschichte wohl auch schon erzählt gewesen, hätten nicht auch mehrere lokale Medien über den Fall berichtet. Denn seitdem sorgt der Fall in den sozialen Netzwerken für hitzige Diskussionen. Während die Unterstützer des Bäckers von einem "Schlag gegen die Meinungsfreiheit", "öffentlicher Anprangerung" und von einem "politisch motivierten Boykott" sprechen, verteidigen andere den Entschluss und loben die Schüler für ihre "klare Haltung" gegen Rassismus.

Bürgermeister Erik Lierenfeld: "Kommt runter!"

Der Streit um das Leibnitz-Gymnasium hatte zwischenzeitlich solche Ausmaße angenommen, dass sich am Sonntag (20.03.2016) auch der Dormagener Bürgermeister Erik Lierenfeld (SPD) in die Diskussion einschaltete. Bei Facebook nannte er die Äußerungen des Bäckers "in Art und Form inakzeptabel". "Dies scheint er auch selber eingesehen zu haben, weshalb er diese nun gelöscht hat. Das begrüße ich ausdrücklich." Gleichzeitig verurteilte er Kommentare im Netz, die den aktuellen Fall mit dem nationalsozialisitischen Boykott gegen jüdische Geschäfte verglichen hatten. Es sei "völlig daneben", die Verfolgung der Juden im Dritten Reich mit dem aktuellen Fall auf eine Stufe zu stellen. "Letztlich daher mein Aufruf an alle: Kommt runter!" Gegenüber dem WDR wiederholte Lierenfeld seinen Aufruf zur Mäßigung. Das Miteinander in den sozialen Netzwerken sei beschädigt. "Viele meinen, sie könnten alles rauspusten, ohne vorher auch nur kurz über die Folgen nachzudenken." Geschäftsbeziehungen zwischen der Stadt Dormagen und dem umstrittenen Geschäftsmann seien ihm nicht bekannt.

Erik Lierenfeld

Bürgermeister Erik Lierenfeld

Mittlerweile hat der Bäcker nicht nur die umstrittenen Aussagen aus seinem Account gelöscht, sondern er hat auch in einem Interview mit der "Neuß-Grevenbroicher Zeitung" betont, er sei kein Rassist. Er habe nur seine Kritik an der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung zum Ausdruck bringen wollen. Er hätte nicht erwartet, dass seine Äußerung "solch hohe Wellen schlägt", heißt es weiter. Er werde so etwas nicht wieder posten. Für ein Gespräch mit dem WDR war der Geschäftsmann am Montagmorgen nicht erreichbar.

Bezirksregierung steht hinter der Entscheidung

Auch beim Gymnasium ist man offenbar inzwischen daran interessiert, dass sich der Streit nicht weiter aufschaukelt. Anfragen werden an die Bezirksregierung Düsseldorf weitergeleitet. Eine Sprecherin der Behörde teilte dem WDR mit, die Zusammenarbeit mit dem Bäcker sei aufgrund einer "fehlenden Übereinstimmung" mit den Grundsätzen der Schule beendet worden. Das Leibnitz-Gymnasium nehme seinen Auftrag "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" sehr ernst.

Stand: 21.03.2016, 12:48