Wettbewerb macht Züge an Rhein und Ruhr pünktlicher

Qualitätsbericht des VRR

Wettbewerb macht Züge an Rhein und Ruhr pünktlicher

Von Sebastian Wehner

Welche Züge an Rhein und Ruhr sind die pünktlichsten, welche kommen regelmäßig zu spät und wo sind die Kunden am zufriedensten? Der Verkehrsverbund hat diese Fragen am Donnerstag (25.02.2016) bei der Vorstellung seines Qualitätsberichts beantwortet. Dabei wurden auch die Pläne für einen e-Tarif vorgestellt.

Die Zahlen zu Verspätungen und Problemen auf den Linien, die der VRR an die Bahnunternehmen vergeben hat, zeigen ein klares Bild. Die Fahrgäste in den RE-Zügen müssen am häufigsten länger unterwegs sein, als eigentlich im Fahrplan vorgesehen - nur 84% kamen im vergangenen Jahr pünktlich an. Die Linien RE 5, RE 7 und RE 1 sind die Spitzenreiter im Verspätungsranking. Der RE 5 (Koblenz-Emmerich) kommt im Schnitt fast vier Minuten zu spät - 10% der Züge kommen sogar mehr als elf Minuten zu spät. In den S-Bahnen und RB-Zügen sind die Verspätungen im Schnitt geringer. Die pünktlichste Linie im Gebiet des VRR ist die S 4 (Dortmund-Unna), die durchschnittliche Verspätung liegt bei unter einer halben Minute.

Private besser als Deutsche Bahn

Betrachtet man alle Zugverbindungen im VRR-Gebiet, lässt sich eins klar sagen: Die DB Regio schneidet als Betreiber deutlich schlechter ab als private Unternehmen wie Nordwestbahn, Abellio oder Eurobahn. Auch die Umfragen unter den Fahrgästen bestätigen dies, Fahrgäste sind mit den privaten Unternehmen deutlich zufriedener als mit der Bahntochter DB Regio. "Das zeigt deutlich, dass die Vergabe von Linien nachhaltige Verbesserungen für die Fahrgäste mit sich bringt", zeigte sich VRR-Vorstandssprecher Martin Husmann zufrieden mit dem Weg, Linien auch an private Unternehmen zu vergeben.

Gründe für Verspätungen

Anzeigetafel kündigt Zugausfall und Verspätung an

Als Hauptgründe für die Verspätungen werden Baustellen auf den Hauptstrecken genannt. "Ein Schicksalsschlag war dann der Stellwerksbrand in Mülheim im vergangenen Oktober", erklärt VRR-Vorstand Martin Husmann. Tausende Züge sind ausgefallen, viele Pendler müssen seitdem mit Problemen kämpfen. Die Maßnahme, weniger Züge auf der Strecke zwischen Essen und Düsseldorf fahren zu lassen, hat aber geholfen, die Verspätungen und Ausfälle zumindest im Rahmen zu halten. "Das Prinzip war: Weniger ist mehr. Es war gut, zumindest einige Züge verlässlich fahren zu lassen, anstatt viele mit erheblichen Problemen", erklärte Husmann.

Drohung an die Bahn

Bei einem Thema wurde VRR-Vorstand Martin Husmann dann sehr deutlich: Verspätungen "seiner" RE-, RB- und S-Bahnen, die durch Überholungen von Fernverkehrszügen verursacht werden. Häufig wird der Regionalverkehr gestoppt, um zum Beispiel ICE-Züge überholen zu lassen. "Das ist in bestimmten Fällen nicht mehr nachvollziehbar, was die Bahn da macht. Wenn es dort weiter zu Problemen kommt, passiert etwas." Klare Worte, die zeigen, wie sehr den Nahverkehrsmanager die Verspätungen ärgern, die nicht in der eigenen Verantwortung stehen.

e-Tarif pro Kilometer und neue App

Portrait José Luis Castrillo

VRR-Vorstand Castrillo plant neuen Tarif

Ticketpreise, neue Tarife und Möglichkeiten, den Fahrpreis zu bezahlen, sind neben Verspätungen ein Dauerthema beim VRR. Deswegen war Vorstand José Luis Castrillo froh, über ein ganz neues Projekt sprechen zu können. Im nächsten Jahr soll ein neuer e-Tarif getestet werden. Dahinter steckt eine kilometergenaue Abrechnung per Smartphone. "Beim Einsteigen checkt der Fahrgast per Smartphone ein und wenn er aussteigt, tippt er wieder drauf und der Fahrpreis wird exakt pro Kilometer berechnet. Es funktioniert so wie im Taxi", erklärt Castrillo das System. Ein Jahr lang sollen 1.500 Nutzer das System testen, aufzeigen was gut und schlecht läuft und wie es in der Praxis dann endgültig umgesetzt werden kann. Schon in den kommenden Monaten soll die App des VRR, unter anderem mit der Fahrplanauskunft, neu gestaltet werden. "Unsere App ist jetzt schon sehr beliebt, die Anfragen bringen unsere Server manchmal an ihre Grenzen, aber wir schaffen es, alles zu bewältigen", ergänzt Castrillo lächelnd. Das Smartphone, so die Überzeugung beim VRR, sei auch ein Schlüssel um neue Kunden zu gewinnen.

Stand: 25.02.2016, 15:01