Entscheidung über Cannabis-Anbau

Hanfpflanze

Entscheidung über Cannabis-Anbau

Ein 47-jähriger Mann, der in seiner Wohnung Cannabispflanzen angebaut hatte, wird nicht bestraft. Das Dortmunder Landgericht hat das Strafverfahren gegen den Schmerzpatienten am Mittwoch (24.02.2016) wegen geringer Schuld eingestellt.

Lange Zeit hatte der gelernte Zweiradmechaniker schmerzlindernde Cannabis-Produkte auf Rezept bekommen. Als die Krankenkasse die Kosten nicht mehr übernahm, begann er mit der Cannabiszucht in seiner Wohnung. Seit Jahren ist er ein chronischer und "austherapierter" Schmerzpatient. Nach diversen Rückenerkrankungen und Operationen sowie internistischen Krankheiten kann er nicht mehr arbeiten und leidet unter starken und regelmäßig auftretenden Schmerzattacken.

Deutliche Linderung erlebte er in den vergangenen Jahren fast nur noch durch den Konsum von Cannabisblüten. Der darin enthaltende Wirstoff THC wird schon seit Jahrtausenden gegen Schmerzen eingesetzt. Oft hilft er auch dann, wenn andere Mittel versagen. Seine Ärzte haben dem Bergkamener Cannabispräparate verschrieben, die Kosten von monatlich rund 2.000 Euro hatte zunächst die Krankenkasse getragen. Aber vor etwa einem Jahr wollte sie nicht mehr zahlen. Da kam der Patient auf die Idee, in Eigenregie Cannabis zu züchten, um so für den Eigenbedarf Schmerzmittel herzustellen.

Privater Anbau bleibt verboten

Ein Nachbar zeigte ihn an, so kam es im Juli 2015 zu einem Gerichtsverfahren vor dem Amtsgericht Unna. Das hatte ihn freigesprochen und die beschlagnahmten Pflanzen und Materialien zurückgegeben. Das Dortmunder Landgericht kam heute zu einer anderen Einschätzung. Zwar wurde das Strafverfahren eingestellt, aber der Bergkamener darf keine Haschischkulturen mehr anlegen. Dies wird nach wie vor als Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz strafrechtlich verfolgt.

Wenn er Geld hat, kauft er sich weiterhin auf Rezept die schmerzlindernden Cannabisblüten in der Apotheke, sagte uns der Mann nach der Verhandlung. Aber es gibt Hoffnung für ihn und andere Schmerzpatienten: Mehrere Sozialgerichte haben schon geurteilt, dass die Krankenkassen Cannabis bezahlen müssen, wenn es gegen Schmerzen verschrieben wird. Und in diesem Sommer soll es eine entsprechende Gesetzesänderung des Bundesgesundheitsministeriums geben. Dann soll die kostenlose und kontrollierte Abgabe von Cannabisprodukten über die Apotheke ermöglicht werden.

Stand: 24.02.2016, 14:50