Hohe Haftstrafen für Anschlag auf Essener Sikh-Tempel

Hohe Haftstrafen für Anschlag auf Essener Sikh-Tempel

Von Sebastian Auer und Maren Bednarczyk

  • Haftstrafen zwischen sechs und sieben Jahren verhängt
  • Hauptangeklagte bestritten Tötungsabsicht
  • Verteidigung wollte mildes Urteil
  • Verkündung des Urteils dauerte über zwei Stunden

Die Täter des Anschlags auf den Essener Sikh-Tempel wurden zu mehreren Jahren Haft verurteilt. Der angeklagte Yusuf aus Gelsenkirchen muss nun wegen versuchten Mordes und schwerer Körperverletzung sieben Jahre ins Gefängnis. Mohammed aus Essen aus den gleichen Gründen sechs Jahre und neun Monate. Der dritte Täter, Tolga, der aus dem niederrheinischen Schermbeck stammt, wurde wegen Verabredung zum Mord zu sechs Jahren Haft verurteilt. Die Urteile wurden nach Jugendstrafrecht gefällt.

Ihr Motiv sei Hass auf andere Religionen gewesen, begründeten die Richter am Landgericht Essen ihr Urteil, erklärt ein Gerichtssprecher. Für einen unmittelbaren Kontakt zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) habe die Hauptverhandlung aber keine Anhaltspunkte ergeben. Der Anwalt von Yusuf hat angekündigt, in Revision zu gehen. Der Anwalt der betroffenen Sikhs sei zufrieden mit den Urteilen und froh, dass der Prozess nun vorbei sei, heißt es.

Urteile nach Jugendstrafrecht

Richter Volker Uhlenbrock mit Robe im Gerichtssaal

Richter Volker Uhlenbrock eröffnet die Sitzung

Wie der gesamte Prozess, fand auch die Urteilsverkündung unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Trotzdem drang einiges nach außen: Vor allem der Hauptangeklagte, Yusuf, soll sich in den Verhandlungen geläutert gegeben haben. "Yusuf tut die Sache leid. Er kann selbst nicht verstehen, wo er da reingeraten ist", sagt sein Verteidiger Burkhard Benecken. Ob das wirklich stimmt, ist fraglich.

Dem WDR liegen Briefe vor, die Yusuf während seiner Untersuchungshaft an andere in der Gruppe schrieb. Darin heißt es: "Bis wir die Gerichtsverhandlung gemeistert haben, habe ich das Steuer in der Hand. Ich will euch alle schnell draußen haben." In den Briefen wird klar, Yusuf sieht sich weiter als Anführer, plant sogar mutmaßlich weitere Anschläge.

V-Mann belastet Tolga schwer

Mutmaßliche Täter Anschlag Sikh-Tempel

Die beiden mutmaßlichen Attentäter kurz vor dem Anschlag.

Dem WDR liegt die schriftliche Aussage eines V-Manns vor. Er hat in dem Prozess angegeben, Tolga habe ihm erzählt, er wolle eine Tasche mit einer Bombe in der Essener Innenstadt ablegen. Aus diesem Grund stuft die Staatsanwaltschaft ihn als weiterhin gefährlich ein. Die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung konnte den Angeklagten nicht nachgewiesen werden, auch wenn sie Kontakt zu führenden islamistischen Predigern im Ruhrgebiet hatten.

Stand: 21.03.2017, 12:45