Regelverstöße bei Organvergabe in Uni-Klinik Essen

Regelverstöße bei Organvergabe in Uni-Klinik Essen

  • Essener Uni-Klinik soll Spender-Lebern regelwidrig vergeben haben.
  • Das steht in einem vorläufigen Prüfbericht.
  • Uni-Klinik weist Vorwürfe zurück.

Das Essener Uni-Klinikum soll nach dem Bericht einer Prüfkommission Spender-Lebern regelwidrig vergeben haben, zum Beispiel zu früh an Patienten, die alkoholkrank waren und noch nicht lange genug abstinent leben. Das Klinikum weist die Vorwürfe zurück und zweifelt die Kompetenz der Kommission an.

Deren Vorsitzende Anne-Gret Rinder sagte dazu am Montag (19.06.2017) dem WDR: "Dass jetzt dieses Zentrum versucht, unsere Kompetenz in Frage zu stellen, überrascht nicht, aber es ist falsch. Wir gehen mit ausgewiesenen Sachverständigen in diese Prüfung."

Hinter der Kommission stehen das Bundesgesundheitsministerium, die Bundesärztekammer, die gesetzlichen Krankenkassen und die Deutsche Krankenhausgesellschaft. Am Essener Klinikum seien die Vorgänge mit System passiert, so die Vorsitzende der Prüfkommission weiter. Man habe den Prüfungsbericht der Staatsanwaltschaft Essen übergeben. Dort war er bis Montag noch nicht eingegangen.

Prüfbericht: "Schwerwiegende Rechtsverstöße"

Universitätsklinik Essen

Uni-Klinik Essen

In dem vorläufigen Prüfbericht, der dem WDR vorliegt, ist von "schwerwiegenden Rechtsverstößen" beim Lebertransplantationsprogramm der Uni-Klinik Essen in den Jahren 2012 bis 2015 die Rede. In mindestens 25 Fällen seien Spenderlebern regelwidrig vergeben worden. Es sei "willentlich und systematisch gegen geltendes Recht verstoßen" worden, heißt es in dem Papier der Prüf- und Überwachungskommission, die die Einhaltung des Transplantationsgesetzes und die entsprechenden Richtlinien kontrolliert.

In einer Stellungnahme wies die Klinik schon am Freitag (16.06.2017) auf "vielfältige Mängel und Fehler" in der Arbeit der Kommission und in dem vorläufigen Bericht hin. Festgestellte Mängel bei der Dokumentation von Organvergaben seien inzwischen vollständig behoben. Ausführlich will das Essener Uni-Klinikum in einer Pressekonferenz am Dienstag (20.06.2017) Stellung zu den Vorwürfen nehmen.

Patientenschützer: "Scherbenhaufen" im Uni-Klinikum

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz sieht die Verantwortung für die Regelverstöße bei der ehemaligen Führung des Klinikums. "So wie es scheint, waren diese Auffälligkeiten nicht unter dem jetzigen Direktor, sondern der alte Direktor war dafür verantwortlich und die Nachfolger stehen jetzt vor einem Scherbenhaufen", so Vorstand Eugen Brysch am Montag gegenüber dem WDR.

Brysch fordert außerdem, die Verantwortung die Organverteilung müsse in staatliche Hände übergehen. Bislang läuft die Zuteilung der Spenderorgane über die Stiftung Eurotransplant, die Deutsche Stiftung Organtransplantation organisiert die Abläufe und die Bundesärztekammer gibt die Richtlinien vor.

Gesundheitsministerin stützt Kommission

Auch das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium stellte sich hinter die Kommission. "Manipulationen und Richtlinienverstöße bei der Vergabe von Organen müssen schonungslos aufgeklärt werden. Nur so kann ein Vertrauen der Bevölkerung in die Organspende entstehen", erklärte die amtierende Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) in Düsseldorf.

Stand: 19.06.2017, 17:05