Planetenforschung: Studenten schicken Experiment zur ISS

Sandsturm über der Sahara, aufgenommen von der Raumstation ISS aus

Planetenforschung: Studenten schicken Experiment zur ISS

Von Jan Spelleken

Es ist eine der spannendsten Fragen in der modernen Astronomie: Wie entstehen Planeten? Studenten der Uni Duisburg-Essen wollen der Frage mit einem Mini-Labor auf der ISS auf den Grund gehen.

Außenaufnahme der Raumstation ISS.

Die ISS ist ein Forschungslabor, das in rund 400 Kilometern Höhe um die Erde kreist.

Bis heute können Wissenschaftler nicht genau erklären, wie ein Planet entsteht. Klar ist: Erst einmal gibt es eine Scheibe aus Gas und Staub um einen jungen Stern. Darin stoßen Partikel aufeinander und bleiben aneinander haften. So entstehen kleine Gesteinsbrocken. Werden sie allerdings größer, prallen sie bei einem Zusammenstoß voneinander ab – wie Kugeln bei einem Billard-Spiel. Und darum vermuten sechs Physik-Studenten der Uni Duisburg-Essen: "Für einen so großen Planeten wie unsere Erde muss es eine andere Erklärung geben". Ob sie damit richtig liegen, können sie bald vor Ort im All erforschen – ihr Experiment darf auf die Internationale Raumstation ISS.

Astronaut Alexander Gerst betreut Experiment

Die Studenten haben eine Theorie: "Wechselwirkungen zwischen elektrisch geladenen Teilchen ermöglichen, dass auch größere Teilchen aneinander haften bleiben, wenn sie zusammenprallen. Nach dem Motto plus und minus ziehen sich an." Ihre Idee und das Experiment haben sie beim Überflieger-Wettbewerb des Zentrums für Luft- und Raumfahrt vorgestellt und die Jury überzeugt. Wenn im Sommer 2018 eine Sojus-Rakete zur ISS aufbricht, wird auch ihr Forschungsprojekt ARISE an Bord sein. Betreut wird das Experiment von Astronaut und ISS-Kommandant Alexander Gerst. Er soll es auf der Raumstation installieren und einschalten.

High-Tech auf kleinstem Raum

In diesem Minilabor sollen Glasperlen Erkenntnisse über die Planetenentstehung liefern

Das Mini-Labor ist kaum größer als ein Handteller

Eine der größten Herausforderungen für die Studenten ist das geringe Platzangebot auf der Raumstation. Auch Energie ist – 400 Kilometer über der Erde – sehr kostbar. Ihr Mini-Labor ist deshalb kaum größer als ein Handteller und verbraucht gerade mal zwei Watt. Das muss unter anderem für einen kleinen PC, eine Kamera und einen kleinen Motor reichen. Das Laborgehäuse hat ein 3D-Drucker hergestellt. Und weil so ein Projekt auch Geld kostet, werden die Studierenden mit 15.000 Euro vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt unterstützt.

Glasperlen sollen Antworten liefern

Ihr Experiment in der Schwerelosigkeit läuft 30 Tage und funktioniert wie folgt: Im Mini-Labor schweben kleine Glasperlen. Sie simulieren die kosmischen Staubpartikel und werden zur Kollision gebracht. Die Studenten beobachten dann die Zusammenstöße und prüfen, welche Rolle dabei elektrische Aufladungen spielen.

Ihr Experiment können sie die ganze Zeit von der Erde aus kontrollieren und bekommen sofort Daten. Mit ersten Forschungsergebnissen rechnen die Studenten im Herbst 2018.

Stand: 12.05.2017, 12:12