Duisburg: Polizeieinsatz wird zum Politikum

Duisburg: Polizeieinsatz wird zum Politikum

Von Dominik Peters

  • Neue Videoaufnahmen vom umstrittenen Polizeieinsatz
  • Äußerung des Oberbürgermeisters sorgt für Empörung
  • Duisburger Polizisten ermitteln gegen eigene Kollegen

Der umstrittene Polizeieinsatz am Sonntag (25.06.2017) in Duisburg-Bruckhausen schlägt immer höhere Wellen. Was als Falschparker-Kontrolle der Polizei begann, entwickelt sich zum Politikum. Ein 49-jähriger Falschparker beschuldigt einen Polizisten, ihn mit Tritten gegen den Kopf verletzt zu haben, als er bereits wehrlos auf dem Boden lag. Videoaufnahmen, die das belegen sollen, liegen dem WDR und inzwischen auch der Staatsanwaltschaft Duisburg vor.

Die WAZ zitierte Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link in ihrer Dienstagsausgabe mit den Worten "asozial bleibt asozial". Diese Reaktion auf die Ereignisse vom Sonntag hat nicht nur bei der türkischen Community große Empörung ausgelöst. Auch die Duisburger Grünen fordern Link in einer Pressemitteilung auf, "sich schnellstmöglich bei den Betroffenen persönlich zu entschuldigen." Link reagiert in einer Stellungnahme vom Donnerstag (29.06.2017) nüchtern: "Wer meint, zu Unrecht durch die Polizei belangt zu werden, dem stehen in unserer Demokratie rechtsstaatliche Wege offen."

Polizisten ermitteln gegen eigene Kollegen

Duisburgs Polizeipräsidentin Dr. Elke Bartels hat inzwischen ein kriminalpolizeiliches Ermittlungsverfahren zur Klärung "aller strafrechtlich relevanten Aspekte" eingeleitet. Die Staatsanwaltschaft belässt den Fall allerdings bei der Duisburger Polizei. Das heißt: Duisburger Polizisten ermitteln gegen ihre eigenen Kollegen. Polizeiwissenschaftler Prof. Thomas Feltes bezeichnet das als "ungewöhnlich". Normalerweise würden solche Ermittlungen an andere Behörden abgetreten, damit kein Eindruck von Befangenheit entsteht.

Polizei: Falschparker war aggressiv

Die Falschparker-Kontrolle am Sonntag war in einem handfesten Streit mit zwei Verletzten geendet. Laut Polizei versuchten zwischenzeitlich bis zu 250 Personen vor Ort, den Einsatz zu stören oder zu verhindern. Vor allem der Falschparker sei den Beamten gegenüber höchst aggressiv gewesen. "Der Streit eskalierte derart, dass er später auf die Kollegen losging. Es musste Pfefferspray eingesetzt werden", sagte eine Polizeisprecherin am Montag (26.06.2017) dem WDR. Zwei Versionen eines höchst umstrittenen Falles: Zur Zeit steht Aussage gegen Aussage.

Stand: 29.06.2017, 15:47