Binnenschiffe gegen Verkehrsinfarkt im Ruhrgebiet

Rhein-Herne-Kanal in Oberhausen

Binnenschiffe gegen Verkehrsinfarkt im Ruhrgebiet

Von Maren Bednarczyk

  • Binnenschifffahrt in NRW soll gestärkt werden
  • Experten diskutierten am Montag (29.08.2016) mit Verkehrsminister Michael Groschek (SPD)
  • Trotz Milliardenzusage des Bundes gibt's noch viele Hürden

Durch mehr Binnenschiffe könne man vor allem im Ballungsraum Ruhrgebiet einen Verkehrsinfarkt verhindern, erklärt Landesverkehrsminister Michael Groschek (SPD): "Jeder kann sich dieses Horrorszenario vorstellen und deswegen muss das Binnenschiff gestärkt werden. Das Binnenschiff kann tausende und zehntausende LKW von der Straße holen und so das leere politische Versprechen einlösen ´Wir bringen die Güter weg von der Straße und packen sie auf die Schiene´."

Michael Groschek hält einen Vortrag

Groschek (SPD) wirbt für Wasserwege

Groschek betont aber auch, dass zusätzlich viele Schiffsmotoren umgerüstet werden müssten, damit gleichzeitig auch noch die Umwelt besser geschützt werden kann. Immerhin: Der Bund hat zugesagt, über eine Millarde Euro in das Wasserstraßennetz in NRW zu investieren.

Besserer Draht zu den Nordseehäfen

Aber es gibt noch weitere Hürden. Die Häfen in NRW, so der Landesverkehrsminister, müssten künftig besser mit den großen Häfen in Antwerpen, Rotterdam und Hamburg zusammenarbeiten müssen. Damit Nordrhein-Westfalen zur Logistikdrehscheibe im Bereich der Binnenschifffahrt wird, sollten sich die großen Hafengesellschaften künftig weniger als Konkurrenten, sondern mehr als Partner verstehen.

Der erste Schritt sei aber schon gemacht: Alle Nordseehäfen hätten bereits signalisiert, gemeinsam mit den Akteuren in NRW, Konzepte zu erarbeiten. Der Handel soll nicht mehr nur durch China dominiert werden, erklärt Michael Groschek. Die Entwicklung gehe weg vom reinen Überseecontainerverkehr hin zu mehr Binnenschiffen auf den kleineren Wasserstraßen - auch bei uns im Land.

Tiefere Fahrrinnen, höhere Brücken

Entscheidend seien neben den großen Flüssen, wie etwa dem Rhein, auch die Kanäle, betont Groschek. Sowohl der Rhein-Herne-Kanal als auch der Wesel-Datteln-Kanal, auf dem jährlich 44 Millionen Tonnen Güter umgeschlagen werden, sollen ausgebaut werden. Die Fahrrinnen sollen tiefer gelegt und diverse Brücken erhöht werden. Dadurch können künftig noch größere Containerschiffe darauf fahren, die noch mehr Ware transportieren können. Obwohl die Montanindustrie keine so große Rolle mehr spielt, wie etwa zu Zeiten des Bergbaus, würden die Kanäle nach wie vor viel genutzt, erklärt Arndt Glowacki, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Häfen NRW: "Selbst wenn der Transport von Kohle und Stahle etwas zurückgeht, sind auf den Kanälen noch viele andere Produkte unterwegs."

Stand: 29.08.2016, 14:45