Sturzgeburt in Dortmunder U-Bahn-Station

Sturzgeburt in Dortmunder U-Bahn-Station

Mitten im Feierabendverkehr hat am Mittwoch (17.05.2017) eine Frau ihr Baby in einer U-Bahn-Station in Dortmund zur Welt gebracht. Beide sind wohlauf, weil eine Passantin sofort zur Hilfe eilte.

Diesen Anblick wird Beate Madaus so schnell nicht mehr vergessen: Auf einer bloßen Sitzbank liegt eine 29-Jährige, Blut und Käseschmiere überall. In eine Strickjacke eingehüllt, ein Bündel Mensch. Ein gesunder Junge, die großen, dunklen Augen weit geöffnet. Hassan heißt er. 2.960 Gramm, 55 Zentimeter groß, 35 Zentimeter Kopfumfang. Putzmunter.

Was ist mit der Nabelschnur?

Die Mutter hatte ihr Kind mitten im Feierabendverkehr zur Welt gebracht, die Nabelschnur war noch nicht durchtrennt. Beate Madaus kam nur zufällig vorbei und holte sofort Hilfe. "Am Anfang dachte ich noch, der jungen Frau wäre irgendwie eine Narbe geplatzt. Ihr Bauch war halt auch relativ klein. Aber dann sah ich schon das Köpfchen. Und auf einmal ging alles sehr schnell", sagt Madaus.

Säugling Hassan

Der Erdenbürger Hassan

"Die Nabelschnur hatte sich um den Hals gelegt, das habe ich rasch noch korrigieren können. Aber dann war der kleine Junge auch schon komplett draußen." Als Hebamme und Ärztin fünf Minuten später eintrafen und die weitere Geburt übernahmen, fiel der engagierten Helferin ein Stein vom Herzen: "Ich hätte mich wohl nicht getraut, die Nabelschnur zu durchtrennen."

Ganz viele Helfer

Für Nesrine Al-Amin ist es bereits das vierte Kind. Der errechnete Geburtstermin wäre eigentlich eine Woche später gewesen. Sie war mit Mann und zwei Kindern in der Stadt spazieren. Doch plötzlich merkte sie, dass der Druck im Unterleib größer wurde. Die Familie stieg an der Reinoldi-Kirche in die U-Bahn, kam allerdings nur zwei Stationen weit, die Wehen waren zu extrem. An der Haltestelle "Städtische Kliniken" musste die junge Frau raus. Ihr Mann, der die beiden Kinder (sechs und zwei Jahre alt) an den Händen hielt, war ratlos: Was tun?

Bank in der Dortmunder U-Bahn-Station

Bank in der Dortmunder U-Bahn-Station

Die Mutter setzte sich auf die Wartebank, wimmerte leise. "In solchen Momenten denkst Du nicht großartig nach, da funktionierst Du irgendwie", erinnert sich Beate Madaus, die das Wimmern hörte. Sie bat den Ehemann der Gebärenden, Hilfe zu holen. Die Kinder wurden von zwei Seniorinnen betreut, ebenfalls Passantinnen. Eine dritte, ältere Dame streichelte der Mutter die Hand, während Beate Madaus am anderen Ende der Sitzbank dem kleinen Jungen auf die Welt half. "Das ist ganz, ganz toll, dass sich die Ersthelferinnen da so sehr engagiert haben", erklärte Hebamme Linda Berthold.

Stand: 19.05.2017, 14:21