Wie geht es weiter bei Steilmann?

Steilmann-Firmenzentrale in Bergkamen

Wie geht es weiter bei Steilmann?

  • Die Sanierung des Traditionsunternehmens ist vorerst gescheitert
  • Über 8.300 Mitarbeiter weltweit von der Insolvenz betroffen
  • Börsengang im vergangenen Jahr endete im Desaster

Sanierungsverhandlungen hätten keinen Erfolg gehabt, teilte das Unternehmen am Mittwochabend (23.03.2016) mit. Steilmann ist eine feste Größe im Modegeschäft. Als Mutterkonzern der Modemärkte Adler und Boecker beschäftigt die Firma weltweit rund 8.300 Mitarbeiter und wollte eigentlich weiter expandieren. Die Modekette Adler, die 170 Modegeschäfte und rund 4000 Beschäftigte hat, sieht keine Auswirkungen auf ihr Geschäft durch die Insolvenz des Großaktionärs Steilmann. Adler verfüge unverändert über eine mehr als ausreichende Liquidität, teilte das Unternehmen in einer ersten Reaktion mit.

Von Wattenscheid nach Bergkamen

Klaus Steilmann

Firmengründer Klaus Steilmann, 2009 bei der Verleihung des Steiger-Awards

Steilmann wurde 1958 von Klaus Steilmann gegründet - in Wattenscheid. Bekannt wurde das Unternehmen unter anderem auch durch das Engagement bei Wattenscheid 09. In der Zeit unter Steilmann spielte der heutige Regionalligist in der Fußball-Bundesliga. Nach dem Ausstieg des Firmengründers 1999 führten unter anderem seine Töchter Britta und Ute die Firma weiter. Klaus Steilmann selber starb 2009. 2010 zog das Unternehmen dann nach Bergkamen weiter. Die Familie um den aktuellen Vorstandschef Puller hatte den Damenmodenhersteller in den vergangenen Jahren schrittweise übernommen. Zu dem Unternehmen, das sich auf die Altersgruppe der über 45-Jährigen konzentriert, gehören neben "Steilmann" unter anderem die Marken "Apanage" und "Kapalua".

Schon vor 10 Jahren gab es zum ersten Mal ernsthafte Probleme, und Steilmann stand kurz vor dem Ende. Die konnte dann aber durch den italienischen Investor Miro Radici verhindert werden, der den Konzern 2006 übernahm. Wie es mit Steilmann weitergeht, muss jetzt im Insolvenzverfahren geklärt werden. Möglicherweise findet sich im Laufe des Verfahrens ein neuer Investor, der die drohende Pleite abwenden kann. Die Aktie ist nach der Insolvenzerklärung jetzt endgültig im Keller.

Aktionärsschützer prüfen Klage

Erst im November 2015 startete Steilmann an der Börse - mit einem Desaster. Steilmann wollte ursprünglich knapp 100 Millionen Euro über den Börsengang einnehmen, um das geplante Wachstum zu finanzieren und die Mehrheit an der börsennotierten Modekette Adler zu übernehmen. Doch die Nachfrage nach Steilmann-Aktien war schwach, und das Unternehmen musste sich mit 8,8 Millionen Euro begnügen. Hier hatte sich das Unternehmen offenbar verkalkuliert und seine Chancen an der Börse völlig falsch eingeschätzt. Aktionärsvertreter haben inzwischen angekündigt, eine Klage zu prüfen. Steilmann war erst im vergangenen November an die Börse gegangen. Die Aktionärsschützer vermuten, dass dem Unternehmen da schon klar gewesen sein muss, wie schlecht es um die Finanzen bestellt ist. Steilmann beschäftigt weltweit mehr als 8000 Mitarbeiter. Zu dem Konzern gehört unter anderem die Modekette Adler.

Stand: 25.03.2016, 17:58