WDR 5 Stadtgespräch in Dortmund: "Die Zinkhütte hat uns das Gift um die Ohren gehauen"

Die Diskussionsrunde beim WDR5-Stadtgespräch in Dortmund zum Thema Umweltskandale

WDR 5 Stadtgespräch in Dortmund: "Die Zinkhütte hat uns das Gift um die Ohren gehauen"

Von Fabian Wahl

Nach den jüngsten Umweltskandalen im Ruhrgebiet sind die Sorgen der Anwohner groß. Das wurde auch beim WDR5-Stadtgespräch am Donnerstag (15.09.2016) in Dortmund deutlich. Das Thema: "Sind wir Umweltgiften hilflos ausgeliefert?"

Etwa 100 Gäste waren in das Dortmunder Depot in Nähe des Hafens gekommen, um mit Verantwortlichen und Umweltschützern zu diskutieren. Eine Vielzahl der Gäste stammte aus dem Dortmunder Gebiet Dorstfeld-Süd, wo bei den Bewohnern einer früheren Altlasten-Siedlung eine erhöhte Zahl an Krebsfällen festgestellt worden war.

Familienvater sorgt sich um Gesundheit

"Bei uns im Straßenzug verstarb einer nach dem anderen an Krebs", berichtete Jan de Bondt, der für die Siedlergemeinschaft Dorstfeld-Süd auf dem Podium saß. Er ist Familienvater von drei Kindern, seine Eltern starben an Krebs. "Wir haben uns ernsthaft gefragt, ob es sich lohnt, in Dorstfeld-Süd zu bleiben." Bislang ist er mit seiner Familie geblieben. Er fordert vonseiten der Stadt Antworten auf viele offene Fragen. Die bisherigen Untersuchungen reichen ihm nicht aus.

Rund 100 Gäste verfolgten das WDR5-"Stadtgespräch" aus Dortmund.

Rund 100 Gäste verfolgten das WDR5-"Stadtgespräch" aus Dortmund.

In Dorstfeld-Süd war in den 1980er Jahren auf dem giftigen Boden einer ehemaligen Kokerei eine Wohnsiedlung gebaut worden. Die Siedlung wurde zwar aufwendig saniert. Viele Anwohner haben aber Angst, dass das nicht ausreichend war. So warfen manche Gäste des WDR5-Stadtgesprächs der Stadt Dortmund mangelnde Transparenz vor.

Der Leiter des Dortmunder Umweltamtes, Rainer Mackenbach, wies die Kritik zurück. Er verwies auf eine Studie, in der Kernobst aus dem betroffenen Gebiet untersucht wurde. Demnach könne der Verzehr des Obsts empfohlen werden. "Damit sind wir zufrieden", sagte er. Er versprach mehr Transparenz durch Bürgerversammlungen und unangemeldete Kontrollen, durch die Umweltskandale wie der bei der früheren Dortmunder Entsorgungsfirma Envio verhindert werden soll.

Die Umweltskandale von Dorstfeld-Süd und Envio sind nur zwei Fälle, die beunruhigen. Ein Gast aus Duisburg berichtete von verseuchtem Boden in seinem eigenen Garten, für den er niemand verantwortlich machen kann. Eine weitere Besucherin ist ebenfalls von Umweltverschmutzungen betroffen und wütend: "Die Zinkhütte hat uns das Gift um die Ohren gehauen." Weil sie gegen den Betrieb vorgehe, werde sie als Nestbeschmutzerin beschimpft. Schließlich gehe es um Arbeitsplätze.

BUND kritisiert Behörden

Unterstützung erhielten sie von Dirk Jansen vom nordrhein-westfälischen Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). "Die Menschen blitzen bei den Behörden oft ab", kritisierte er. Es fehle an Fachkompetenz und Gespür, wie man mit verängstigten Anwohnern umgehen müsse. Darüber hinaus sei die Haftungsfrage oft unklar.

Jansen beklagte unzureichende Kontrollen. Zwischen 2012 und 2014 sei lediglich ein Drittel der Betriebe kontrolliert worden, von denen eine Gefahr für die Umwelt ausgehen könnte. Er forderte Schwerpunktstaatsanwaltschaften für Verstöße gegen die Umweltauflagen und eine härtere Strafverfolgung.

Umweltministerium: Mehr Personal nötig

Auch der Staatssekretär im NRW-Umweltministerium Peter Knitsch räumte Verbesserungsbedarf ein. Die Überprüfung des Umweltrechts müsse besser werden, sagte er. Dazu bedarf es mehr Personal auf Landes- und kommunaler Ebene, mehr unangemeldeter Kontrollen und mehr Transparenz.

Stadtgespräch aus Dortmund: Umweltgiften hilflos ausgeliefert?

WDR 5 Stadtgespräch | 15.09.2016 | 56:25 Min.

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Nachgefragt: Umweltgiften hilflos ausgeliefert?

WDR 5 Stadtgespräch | 16.09.2016 | 16:39 Min.

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Stand: 16.09.2016, 08:15