Neue Hoffnung für Langzeitarbeitslose?

Arbeitslose warten auf einem Flur einer Agentur für Arbeit

Neue Hoffnung für Langzeitarbeitslose?

SPD-Politiker aus dem Ruhrgebiet fordern Extrahilfe für Langzeitarbeitslose. Es müsse einen sozialen Arbeitsmarkt für Menschen geben, die länger als ein Jahr erwerbslos sind. Gute Idee oder heiße Luft im Vorwahljahr?

Es gehe bei dem Vorschlag um Menschen, die kaum Chancen haben, reguläre Jobs zu finden, sagten die Bundestagsabgeordneten Sabine Poschmann aus Dortmund, Ralf Kapschack aus Witten und Michael Groß aus Recklinghausen (allesamt SPD) der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" in Essen vom Montag (25.04.2016). Es sei besser, Beschäftigung zu finanzieren statt Arbeitslosigkeit. Langzeitarbeitslose könnten zum Beispiel als Hausmeister, in der Grünpflege, bei der Betreuung von Menschen oder bei der Gebäudesanierung arbeiten.

Krisenregion Ruhrgebiet

Besonders im Ruhrgebiet ist dauerhafte Arbeitslosigkeit ein Massenproblem. Hier leben rund 123.000 Langzeitarbeitslose. In Dortmund, Essen und Duisburg sind es jeweils über 15.000. Hartz IV ist nach Einschätzung von Armutsforschern besonders im nördlichen Ruhrgebiet für viele Menschen zur Sackgasse geworden - sie pendeln zwischen Minijobs, Fortbildung und Arbeitslosigkeit. Ein sozialer Arbeitsmarkt in Nordrhein-Westfalen könnte nach Schätzung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) bis zu 60.000 Menschen zu Jobs verhelfen. 2015 hatte Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) ein Sonderprogramm für Langzeitarbeitslose gestartet - doch das erwies sich eher als Flop.

Kümmer-Jobs in Bussen und Heimen

Ist der soziale Arbeitsmarkt die Rettung? Zumindest gibt es vor Ort Interesse. In Dortmund habe der Stadtrat signalisiert, dass man an einem Pilotprojekt teilnehmen wolle, sagte die SPD-Bundestagsabgeordnete Poschmann am Montag dem WDR. "Wichtig ist uns, dass wir keine regulären Jobs verdrängen, sondern sinnvolle neue Beschäftigungsfelder finden", so die Politikerin. Denkbar seien Jobs wie der "Busbegleiter". Es gebe immer mehr ältere Menschen, die in Bus oder Bahn Hilfe beim Ein- und Aussteigen oder beim Abstempeln der Fahrkarte benötigten. Ein anderes Beispiel sei eine Servicekraft für eine Cafeteria in einer Alten- oder Flüchtlingseinrichtung. Die drei SPD-Politiker wollen in der Großen Koalition durchsetzen, dass lokale Sozial-Arbeitsmärkte 2017 starten. Die Teilnehmer der Programme sollen weiterhin Hartz IV-Zahlungen vom Staat erhalten - aber statt zu Hause zu sitzen, wären sie dann beschäftigt, hätten mehr soziale Kontakte und einen geregelten Alltag.

Forscher: "Es brennt"

Was ist von der Idee zu halten? "Die Forderung nach einem sozialen Arbeitsmarkt geht in die richtige Richtung. Gerade im Ruhrgebiet brennt es am Arbeitsmarkt - und dieser Brand scheint sich noch auszuweiten", sagt Josef Hilbert, Direktor des Instituts Arbeit und Technik (IAT) in Gelsenkirchen. Darum sei es richtig, dass die Politik über eine aktivere Arbeitsmarktpolitik nachdenke. "Menschen brauchen eine Chance - und dafür muss der Staat sie auch stärker fördern und fordern", sagt der Soziologe. "Ich zweifle aber daran, ob man eher bildungsschwache und manchmal auch orientierungslose Menschen zum Beispiel bei der Altenbetreuung einsetzen kann." Solche Jobs seien vielleicht beim Hol- und Bringedienst eines Altenheims denkbar, nicht aber in der Pflege.

Stand: 25.04.2016, 18:20