Ruhrgebietsstädte kämpfen gegen Bädersterben

Schwimmbad

Ruhrgebietsstädte kämpfen gegen Bädersterben

Von Maren Bednarczyk

Mit einem neuen Konzept will die Stadt Gelsenkirchen etwas gegen das Bädersterben tun. Eine Unternehmensberatung soll Wasserflächen, Öffnungszeiten und Besucherzahlen analysieren. Ziel: ausreichend Schwimmangebote bei möglichst geringen Kosten. Andere Kommunen haben andere Konzepte.

Die Stadtwerke Gelsenkirchen haben sich bewusst dagegen entschieden, zu prüfen, ob Bäder saniert werden müssen, oder nicht. Stattdessen beauftragten sie eine Unternehmensberatung, die zurzeit Wasserflächen, Öffnungszeiten und Besucherzahlen der Gelsenkirchener Bäder analysiert. Die Frage, mit der sich die Projektgruppe beschäftigt: Wie sähe eine optimale Bäderwelt aus, wenn man Gelsenkirchen heute neu bauen würde? "Wir möchten zum Beispiel herausfinden, in welchen Bädern es eventuell mehr Zeiten für Schulen und Vereine geben muss", erklärt Janin Simon von den Stadtwerken Gelsenkirchen. Ergebnisse und Details zum Konzept erwartet sie Anfang April.

Weniger Kosten durch weniger Bademeister

Rettungsring

Rettung für Ruhrgebietsbäder

In Bottrop geht man ganz anders mit der Problematik um. In der Stadt gibt es insgesamt drei Hallenbäder, in einem davon wurden 2012 die Öffnungszeiten für das öffentliche Publikum reduziert. Der Grund: Die Stadt musste prüfen, wo sie Geld einsparen kann - "Haushaltskonsolidierungsmaßnahmen" nennt sich das im Fachjargon. Das Ergebnis: Im Hallenbad Boy/Welheim gibt es seitdem eine Stunde weniger Zeit für Frühschwimmer. "Dadurch spart die Stadt Geld, weil sie Kosten für Bademeister einsparen kann", erklärt Jürgen Heidtmann, Leiter der Bottroper Sport- und Bäderbetriebe. Statt der Öffentlichkeit nutzen dann Schulen und Vereine das Bad, die Entgelder dafür zahlen. Ein "Sorgenkind" sei allerdings das Freibad an der Stenkhoffstraße. Dort müsse man eigentlich schon seit Jahren Geld einsparen, was durch sinkende Besucherzahlen aber nicht gelinge. Daran seien auch die unberechenbaren Sommer schuld. Heidtmann sieht allerdings auch eine positive Entwicklung in Bottrop: "Die Schwimmvereine freuen sich über steigende Mitgliederzahlen und führen zum Teil sogar Wartelisten."

Schwimmvereine übernehmen Bäder

"In Mülheim standen in der jüngsten Vergangenheit Bäderschließungen im Raum", sagt Martina Ellerwald, Leiterin des Mülheimer Sportservice. Deshalb wurden vor zwei Jahren verschiedene Bäder an insgesamt fünf Schwimmvereine übergeben. Die Vereine haben sich zu einer gemeinnützigen GmbH zusammengeschlossen und bewirtschaften nun die Schwimmbäder. Die Vereine bekämen dafür Betreiberentgelder und die Stadt spare Kosten, erklärt Ellerwald. Von diesem Konzept hält Hubert Stüber vom Stadtsportbund Oberhausen wenig: "Wenn diejenigen, die Vereinsvorsitzende sind, bei den maroden Bädern dann noch Angst haben, wenn die Pumpe morgen ausfällt, dann ist das fraglich. Ich bin der Meinung, die Ehrenamtlichkeit der Vereine sollte nicht zu sehr strapaziert werden." In Oberhausen hat 2006 die Oberhausener Gebäudemanagement GmbH (OGM) die Bäderlandschaft übernommen. "Seitdem läuft es gut", sagt Stüber. "Die OGM hat unsere Bäderlandschaft erfolgreich übernommen und da, wo es sein musste, erfolgreich verändert."

Stand: 15.02.2016, 06:00