Duisburger Grundschulen am Limit

Ein Schüler einer sechsten Klasse meldet sich im Unterricht

Duisburger Grundschulen am Limit

Von Benjamin Sartory

  • alle 78 Grundschulen unterschreiben Brandbrief
  • mehr Schüler und Zuwanderer, zu wenig Lehrer
  • Schulleiter fordern dringend mehr Unterstützung

In Duisburg sehen sich die Grundschulen endgültig am Limit. Alle 78 Schulen haben jetzt ein Positionspapier verabschiedet. Es klingt alarmierend: Die Schülerzahlen würden steigen. Der Schulraum sei dafür zu knapp. Außerdem gebe es zu wenig Lehrer und Sozialarbeiter.

Sozial benachteiligt, keine Sprachkenntnisse

Insbesondere die vielen Zuwandererkinder stellen die Grundschulen vor Herausforderungen. Von Dezember 2015 bis Dezember 2016 habe sich die Zahl neu angekommener Kinder auf knapp 1.800 fast verdoppelt. Laut dem Positionspapier kommen viele aus sozial benachteiligten Familien ohne Sprachkenntnisse.

Eltern sind oft Analphabeten

Nicht nur, aber besonders im Duisburger Norden gibt es Probleme. Das zeigen auch Erfahrungen zweier Grundschulen in Marxloh, die bereits Thema im zuständigen Personalrat der Stadt waren. Die beiden Schulen beschreiben, dass mehr als 90 Prozent der Kinder aus Zuwandererfamilien kommen. Es fehlten Dolmetscher und somit der Zugang zu den Schülern. Auch Eltern, die selbst Analphabeten sind, seien ein Riesenproblem.

Keine Schere, kein Stift und kein Kleber

Rüdiger Wüllner von der Lehrergewerkschaft GEW in Duisburg bestätigt die massiven Probleme. Neben fehlenden Sprachkenntnissen müssten die Lehrer auch mit der Armut vieler zugewanderter Grundschüler zurechtkommen. Es fehle oft schon an Dingen wie Schere, Stift und Kleber zum Basteln.

Land soll Stellenbesetzung zentral steuern

Die Duisburger Grundschulen fordern deshalb mehr Schulen, mehr Lehrer und Sozialarbeiter und mehr Dolmetscher. Weil es gerade in den sozialen Brennpunkten Probleme gibt, die Lehrerstellen überhaupt zu besetzen, wollen sie außerdem das System ändern. Das Land müsse die Zuweisung von Lehrern zentral steuern und so Lücken schließen, hieß es.

Stand: 28.03.2017, 14:24