S6-Strecke in Essen bis April gesperrt

Bauarbeiten an den Gleisen der S6 am Baldeneysee nach Bergschäden unter den Schienen

S6-Strecke in Essen bis April gesperrt

Von Daniel Chur

  • S6-Linie in Essen wohl noch sechs Monate gesperrt
  • Arbeiten teuer und kompliziert
  • Weitere Strecken vielleicht betroffen

Gerne verkündet er es nicht - das ist Gerd Matschke von der Deutschen Bahn beim Pressetermin am Dienstag (14.11.2017) anzusehen. Der Streckenabschnitt der S6 zwischen Essen Hauptbahnhof und Kettwig soll mindestens bis Mitte April gesperrt bleiben. Mitte Oktober wurden in Höhe des S-Bahnhofes "Essen Hügel" zunächst Schäden an einer Befestigungsmauer am Bahndamm festgestellt. Wenig später war klar: Bergschäden sind die Ursache.

Die Bahn hat zusammen mit Experten der Bezirksregerung Arnsberg in den vergangenen Wochen zahlreiche Probebohrungen an der Strecke durchgeführt. Aus altem Kartenmaterial ging hervor, dass an der Stelle am Baldeneysee zahlreiche Kohleflöze vorhanden sind und dass dort auch vor rund 250 Jahren Bergbau betrieben wurde. Insgesamt gab es bisher 40 Probebohrungen auf 1,5 Kilometern Bahnstrecke. "Dabei kam heraus, dass unter der Strecke 11 Flöze mit sieben großen Hohlräumen vorhanden sind", so Gerd Matschke.

Witterung könnte Arbeiten verzögern

Kran transportiert abmontierte Schienen ab bei Bauarbeiten an den Gleisen der S6 am Baldeneysee nach Bergschäden unter den Schienen

Für die Bauarbeiten müssen Schienen entfernt werden

Seit Wochen bereits laufen Bohrungen und Verfüllungsarbeiten parallel. Und das sogar rund um die Uhr, auch am Wochenende. Schienen wurden abmontiert. Bis zu 100 Kubikmeter Betongemisch werden täglich in die Erde verfüllt. Allein vier Kubikmeter Wasser pro Stunde werden benötigt, um die Bohrgeräte zu kühlen.

Die Baustelle in Essen ist aufwändig - und wird darum auch ihre Zeit brauchen, so Matschke: "Wir stoßen immer wieder auf neue Überraschungen und finden Hohlräume dort, wo wir bislang keine vermutet haben." Wenn die Arbeiter in den kommenden Monaten nicht allzu oft mit Frost zu kämpfen haben sollten, sei Mitte April ein realstischer Zeitpunkt für das Ende der Sperrung.

Weitere Bahn-Strecken vielleicht betroffen

Über die Kosten der Arbeiten mag die Deutsche Bahn noch gar nicht weiter nachdenken. Sie wird sie voraussichtlich komplett tragen müssen. Laut Bahn könnten die Kosten in die Millionenhöhe gehen. Aber egal, wie hoch die Kosten werden: "Wir snd zu Sorgfalt gezwungen", so Gerd Matschke.

Durch die Auswertung alter Karten ist die Bahn zudem auf weitere mögliche Flötze unter ihren Gleisen gestossen - in Essen-Steele und Bochum-Langendreer. An beiden Orten soll es schon bald Probebohrungen geben. Die Bahn hofft, dass hier die Fahrgäste von Sperrungen wie die der S6-Strecke verschont bleiben.

Stand: 14.11.2017, 15:15