Dortmunder Ruhr Nachrichten geben Zentralredaktion auf

Ruhr Nachrichten schließen zentrale Mantelredaktion

Dortmunder Ruhr Nachrichten geben Zentralredaktion auf

  • Redakteure sollen ins Lokale wechseln
  • Überregionales entsteht beim Hellweger Anzeiger
  • DJV kritisiert diese Entscheidung

In Dortmund wird von Oktober an keine überregionale Tageszeitung mehr produziert. Nach dem Aus für die Westfälische Rundschau vor vier Jahren verschwindet jetzt auch die überregionale Redaktion der Ruhrnachrichten. Bisher gibt es zwei eigenständige Zeitungen mit eigenständigen Mantelredaktionen: Den Hellweger Anzeiger und die Ruhr Nachrichten. In Zukunft wollen die beiden Zeitungen ihre Informationen aus Politik, Wirtschaft und aller Welt in einer gemeinsamen Redaktion zusammen produzieren. Und zwar nicht mehr in Dortmund bei den Ruhr Nachrichten (RN), sondern in Unna beim Hellweger Anzeiger (HA). Dafür wird eine gemeinsame neue Gesellschaft "Redaktionsnetz Westfalen" gegründet, an der beide Verlage je zur Hälfte beteiligt sind. Redaktionelle Teile sollen zudem von anderen Verlagen und Redaktionen zugeliefert werden.

Redakteure sollen das Lokale verstärken

Schon von Oktober an soll eine aufgestockte Mannschaft in der neuen Gesellschaft die überregionalen Artikel erstellen. Die bisherigen Ruhr-Nachrichten-Redakteure aus der Zentralredaktion wechseln entweder zum "Redaktionsnetz Westfalen" oder übernehmen neue Aufgaben im Lokalen. Lokalredaktionen unterhalten die Ruhr Nachrichten in Castrop-Rauxel, Lünen, Schwerte, Selm, Werne und in Dortmund. Die Leser der Ruhr Nachrichten (RN) sollen von den Änderungen aber möglichst wenig merken. Was sie aber bemerken sollen ist, dass sich die Lokalberichterstattung verbessert. Denn das ist nach Angaben beider Verlage das Ziel der Umstrukturierungen.

Der überregionale Sport und insbesondere die Berichterstattung über den BVB sollen in Dortmund verbleiben. Außerdem werden einige Redakteure eine Content-Agentur bilden, die überregionale Nachrichten recherchiert und auf das Regionale überträgt. Entlassen wird also niemand. Das neue Redaktionsnetz Westfalen will seine Dienste auch anderen Verlagen anbieten.

DJV kritisiert: "Rückschlag für die Meinungsvielfalt"

Allerdings geht hier ein Stück Pressevielfalt verloren, kritisiert Frank Überall, Vorsitzender des Deutschen Journalisten Verbandes (DJV). Denn die Kolleginnen und Kollegen hätten intensiv über Themen berichtet - immer mit der besonderen Perspektive des Ruhrgebietes. Überall sagt: "Wir haben ohnehin schon das Problem, dass in vielen Landkreisen und Städten nur noch eine Zeitung vor Ort ist. Und jetzt gibt es das Phänomen der sogenannten Zombie-Zeitungen. Die werden zusammen gestückelt aus den verschiedenen Redaktionen anderer Zeitungen. Das ist eine traurige Entwicklung." Eigentlich müsse man in Journalismus eher investieren, damit man besondere regionale, ganz unterschiedliche Blicke auf nationale und internationale Politik ausbauen kann.

Fortschreitendes Zombie-Zeitungs-Modell

Seit Februar 2013 beliefern die Ruhr Nachrichten die Lokalteile der Westfälischen Rundschau der Funke Mediengruppe. Den Mantelteil steuern seitdem WAZ und NRZ bei. Die Westfälische Rundschau gilt damit als erstes Modell einer Zombie-Zeitung. Zuvor hatte Funke 120 Redakteure der Rundschau entlassen und die Zentrale in Dortmund geschlossen.

Zwischen dem Zeitungsverlag Rubens, der den Hellweger Anzeiger heraus bringt, und den Ruhr Nachrichten gibt es bereits seit längerem gute Verbindungen. RN-Verleger Lambert Lensing-Wolff hält etwa fünf Prozent der Anteile am Hellweger Anzeiger. Umgekehrt gehört Hans-Christian Haarmann, der Verleger des Hellweger Anzeigers (HA), der Geschäftsführung der Verwertungsgesellschaft des Verlags Lensing-Wolff an.

Stand: 12.07.2017, 20:23