"Bezahl-was-du-willst"-Prinzip funktioniert

Lehmbruck-Museum, Neuaufgestellt!, Duisburg 2016 (Ausstellungsansicht)

"Bezahl-was-du-willst"-Prinzip funktioniert

  • Keine Verluste bei flexiblen Eintrittspreisen in Museen und Zoos.
  • Besucher können über Ticketpreis selbst entscheiden.
  • Zoo Münster verzeichnet seitdem mehr Besucher.

"Das Angebot wird bei uns schon genutzt, allerdings schwankend und nicht überdurchschnittlich", sagte ein Sprecher des Duisburger Lehmbruck-Museums der Deutschen Presse-Agentur. Verluste mache man aber keine, weshalb die Aktion noch mindestens bis zum Jahresende weiter laufen solle.

Das Lehmbruck-Museum stellt seit Anfang des Jahres seinen Besuchern am ersten Freitag eines jeden Monats frei, ob und wie viel Eintritt sie zahlen wollen. Auch Führungen werden an diesen Tagen gegen freiwillige Bezahlung angeboten.

Freitags flexibler Eintritt

Ausstellungsraum im Red Rot Design Museum in Essen

Red Rot Design Museum in Essen

Auch das Red Dot Design Museum in Essen experimentiert schon seit längerer Zeit mit flexiblen Bezahlmodellen und stellt - ebenfalls an jedem Freitag - den Eintrittspreis zur Wahl. Dabei komme der durchschnittliche Normalpreis fast immer zusammen, sagte ein Museumssprecher. "Es kommt gut an und die Leute wissen auch, dass es immer freitags ist". Das merke man deutlich am Besucheraufkommen an den entsprechenden Tagen.

Zahl der Besucher verdreifacht

Das Bild zeigt ein Flusspferd im Wasser, das das Maul weit geöffnet hat. Es bekommt von seiner Tierpflegerin eine große ovale Tablette.

Flusspferd im Zoo Münster

Gute Erfahrungen haben auch die Zoos in Dortmund und Münster mit dem "Bezahl-was-du-willst"-Prinzip gemacht. Der Allwetterzoo Münster konnte seine Besucherzahlen während des letztes Testlaufes im Dezember 2016 verdreifachen. Der Umsatz an den Kassen, in der Cafeteria und auf den Parkplätzen stieg um rund 60 Prozent.

Auch im Dortmunder Zoo verdoppelte sich die Zahl der Gäste mit freier Preisbestimmung im Advent des vergangenen Jahres. Der Umsatz stieg im Vergleich zur selben Zeit des Vorjahres sogar um gut 70 Prozent.

Freier Eintritt, mehr Besucher

Eine Gruppe schaut sich Gemälde im Museum Folkwang an.

Besucher im Museum Folkwang

Einen ganz anderen Weg gehen andere Ruhrgebietsmuseen. So brauchen Besucher des Folkwangmuseums in Essen seit Mitte 2015 gar keinen Eintritt - zumindest für einen Besuch in der ständigen Sammlung - bezahlen. Im ersten Jahr hatten sich die Besucherzahlen im Jahresdurchschnitt mehr als verdoppelt. Laut Museum nutzen vor allem Kinder und Jugendliche das Angebot. Eine Spende der Krupp-Stiftung macht den freien Eintritt noch weitere Jahre lang möglich.

Für die städtischen Museen in Dortmund gilt seit Januar 2017 ebenfalls ein neues Preismodell: Der erste Besuch eines Hauses kostet einmalig fünf Euro, danach können die Besucher bis zum Jahresende kostenlos auch die Dauerausstellungen der anderen städtischen Museen besuchen.

Kostenlos gucken - seit 1962

Das Kunstmuseum Gelsenkirchen kann man aber bereits seit 1962 kostenlos besuchen. Das entspreche der Überzeugung, dass Kunst für alle da sein muss, so die Museumsleiterin. Auch andere Museen wie in Bochum und Oberhausen würden gerne auf Eintritt verzichten, stoßen aber bisher auf Widerstände in der Politik.

Stand: 02.09.2017, 11:42