Retter-App soll im Kreis Unna für mehr Ersthelfer sorgen

Retter-App soll im Kreis Unna für mehr Ersthelfer sorgen

Von Jürgen Kleinschnitger und Christian Beisenherz

Ein Arzt aus Hamm hat eine Smartphone-App entwickelt, um neben dem Rettungsdienst ehrenamtliche Helfer schnell zu Notfall-Patienten zu bringen. Wir beantworten Fragen rund um die Retter-App.

Warum ist schnelle Ersthilfe bei Herzstillstand so wichtig?

Nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand kommen professionelle Retter oft zu spät, obwohl sie schon nach spätestens acht Minuten beim Patienten sind. Denn das Hirn ist bis zum Eintreffen der Retter ohne Sauerstoff. Das heißt: Selbst, wenn der Patient reanimiert werden kann und es in die Klinik schafft, ist es fraglich, ob er überlebt. Kardiologen hoffen daher schon seit Langem auf schnellere Hilfe bei Herzstillstand.

Wie kam es zu der Idee?

Ralf Stroop ist selbst Notarzt. Bei seinen Einsätzen in Hamm erlebt er immer wieder, dass die Retter zu spät kommen. Studiert hat er Medizin und Nachrichtentechnik. Deshalb kam er auf die Idee der Retter-App, als ein Nachbar einen Herzinfarkt hatte.

Wie funktioniert die App?

Hat ein Patient einen Herzstillstand, aktiviert die Leitstelle nicht nur den Rettungsdienst samt Notarzt. Sondern zusätzlich einen ehrenamtlichen Helfer. Über die Smartphones, auf denen die Retter-App installiert ist, weiß die Leitstelle, wo sich die Nutzer derzeit aufhalten. Oder genauer: welcher Retter gerade in der Nähe des Notfalls ist. Nimmt der den Notfall an, kann er oft schon nach zwei Minuten beim Patienten sein, also bis zu sechs Minuten früher als der Notarzt. Wichtige Minuten, die Leben retten.

Wer kann mitmachen als ehrenamtlicher Retter?

Jeder, der wirklich Ahnung von Ersthilfe hat, kann sich registrieren. Das System setzt auf Profis und gut ausgebildete Laien, die auch in ihrer Freizeit Leben retten wollen. Also Ärzte, Krankenschwestern, Mitarbeiter von Hilfsorganisationen, Krankenhäusern oder Rettungsdiensten, aber auch ehrenamtliche Rettungssanitäter. Seinen Ausbildungsstand gibt man auf der Seite der Mobilen Retter an, wenn man sich für die App registrieren will.

Was kostet mich das?

Außer Zeit, wenn man wirklich mal einen Einsatz hat, im Prinzip nichts. Der Verein Mobile Retter e.V., der die App betreibt, setzt aber auch auf zahlende Vereinsmitglieder und Spender, die seine Arbeit unterstützen wollen.

Die Retter-App ist auch im Kreis Unna im Einsatz

Im Kreis Unna hat man dieses System im Oktober 2016 eingeführt und eine erste positive Bilanz gezogen. Insgesamt sind 353 Ersthelfer bei der Rettungsleitstelle des Kreis Unna registriert, seit Oktober hat es schon 132 Einsätze gegeben. In über zwei Drittel der Alarmierungen findet sich auch ein Mobiler Retter, der den Einsatz übernimmt. Zum Zeit der Alarmierung sind die Ehrenamtlichen im Mittel 1450 Meter bzw. 4 Minuten und 21 Sekunden vom Einsatzort entfernt. Für die Landkreise ist dieses System eine willkommene Ergänzung, um das bestehende Rettungsnetz zu unterstützen.

Stand: 12.04.2017, 17:08