Entwarnung nach Säurealarm in Oberhausen

Entwarnung nach Säurealarm in Oberhausen

Von Dirk Groß-Langenhoff

  • Schadstoffwolke aus Chemiewerk
  • Behälter mit Schwefelsäure geborsten
  • Gefahr für Anwohner mittlerweile gebannt

In einer Chemiefirma in Oberhausen ist am Morgen (16.02.2017) ein 600-Kubikmeter-Behälter mit Schwefelsäure geborsten. Stundenlang zog eine Säurewolke über Oberhausen. Mittlerweile hat sich die Lage für die Anwohner entspannt.

Ursache: menschliches Versagen

Das Unternehmen Hamm Chemie gab als Grund für den Unfall menschliches Versagen an. Das Unglück passierte beim Verladen von Salzsäure von einem Schiff. Ein Mitarbeiter hatte diese aus Versehen in einen Schwefelsäure-Tank gepumpt. Durch eine chemische Reaktion platzte dann der Tank. Die Kriminalpolizei ermittelt.

Die Feuerwehr setzte Wasserwerfer ein, um die Säurewolke zu bekämpfen. Das Säuregemisch konnte so stark verdünnt werden. Das Leck ist nach Angaben des Unternehmens inzwischen geschlossen. Der Sachschaden beläuft sich, laut des Geschäftsführers von Hamm Chemie, auf etwa 1,5 Millionen Euro.

Wie sich die Giftwolke in Oberhausen ausbreitete

Aus einem Tank trittin Oberhausen Schwefelsäure aus

Die Giftwolke wurde am Donnerstagmorgen (16.02.2017) im Chemiewerk "Hamm Chemie" in Oberhausen freigesetzt.

Die Giftwolke wurde am Donnerstagmorgen (16.02.2017) im Chemiewerk "Hamm Chemie" in Oberhausen freigesetzt.

Von dort aus zog die Schadstoffwolke weiter über den Nordosten der Stadt. Anwohner wurden gebeten, die Fenster und Türen geschlossen zu halten. In Kindergärten und Schulen durften Kinder bis zum frühen Nachmittag nicht ins Freie.

Ein Mitarbeiter hatte versehentlich Salzsäure in den Schwefelsäure-Tank geleitet. Durch eine chemische Reaktion platzte dann die Hülle. Am Nachmittag wurde der geborstene Tank geleert.

Die Oberhausener Feuerwehr bekämpfte die Säurewolke mit Wasserwerfern. Rund 130 Feuerwehrleute waren im Einsatz, darunter auch Spezialisten für chemische Industrie aus Chemiestandorten in Marl und Leverkusen.

40 Beschäftigte des Chemiehändlers und 110 Mitarbeiter eines benachbarten Betriebes wurden vorsorglich untersucht. Acht von ihnen mussten ärztlich behandelt werden.

Die Autobahn 42 war von der Giftwolke ebenfalls betroffen. Sie war zwischen Oberhausen-West und der A516 in beiden Richtungen vollgesperrt. Auch auf dem Rhein-Herne-Kanal wurde der Verkehr zwischenzeitlich gestoppt.

Acht Menschen verletzt

Die Flüssigkeit sei am Donnerstagmorgen in ein Auffangbecken gelaufen und werde kontrolliert abgepumpt, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Die Säure-Wolke zog unterdessen Richtung Nordost. Acht Personen wurden verletzt und mussten ärztlich behandelt werden.

Die Autobahn 42 war bis zum frühen Nachmittag zwischen Oberhausen-West und der A516 in beiden Richtungen vollgesperrt. Die Folge waren lange Staus. Auch bei der Bahn ging auf der Linie von Wesel nach Düsseldorf und Koblenz zwischen Oberhausen Hauptbahnhof und Sterkrade bis zum Nachmittag nichts: Viele Züge fielen aus.

Die Schadstoffwolke behinderte auch den innerstädtischen Verkehr, die Polizei hatte den Bereich um den Chemiebetrieb lange Zeit abgesperrt. Das etwa drei Kilometer entfernte Einkaufszentrum "Centro" in Oberhausen konnte erst etwas verspätet öffnen.

Stand: 16.02.2017, 18:00