Dortmunder Ehepaar darf auf Terrasse nur nach Stundenplan rauchen

Dortmunder Ehepaar darf auf Terrasse nur nach Stundenplan rauchen

  • Urteil im Berufungsverfahren: Rauchen nach Stundenplan.
  • Nachbarn fühlen sich durch Zigarettenrauch gestört.
  • In erster Instanz bekamen Raucher Recht.

Sich in den Garten setzen und entspannt eine Zigarette anzünden – für Andrea und Dirk Dowe gehört das eigentlich zur Lebensqualität. Doch entspannt ist hier schon lange nichts mehr. Denn wenn die beiden nach Feierabend rauchend auf der Terrasse ihres Reihenhäuschens in einem Dortmunder Vorort sitzen, gibt es regelmäßig Zoff mit den Nachbarn.

Am Donnerstag (08.06.2017) hat das Dortmunder Landgericht im Berufungsprozess das Urteil gesprochen: Mit "Rauchen nach Stundenplan" kann man das Ergebnis auf den Punkt bringen.

Rücksicht auf Nachbarn in Reihenhaussiedlung

Die vor Gericht unterlegenen Raucher müssen sich nun an einen festen Stundenplan beim Qualmen halten: An insgesamt 12 Stunden am Tag dürfen sie die Nichtrauchernachbarn draußen nicht mehr mit Zigarettengestank nerven. So sind folgende Zeiten zukünftig fürs Rauchen untersagt: Von 6 bis 9 Uhr, zwischen 12 und 15 Uhr, von 18 bis 21 Uhr, sowie von 0 bis 3 Uhr.

Andrea und Dirk Dowe aus Dortmund

Andrea und Dirk Dowe aus Dortmund

Das Dortmunder Landgericht will so Rechtsfrieden zwischen den Nachbarn in einer dicht bewohnten Reihenhaussiedlung schaffen. Die Geruchsbelästigung durch die Raucher sei beträchtlich, darauf müsse Rücksicht genommen werden. Die Entscheidung ist rechtskräftig. Eine Revision ist damit ausgeschlossen. Die Dortmunder könnten aber noch Verfassungsbeschwerde einlegen.

Streit schwelt schon lange

Seit drei Jahren streiten sich die Nachbarn. Nämlich genau seitdem die Dowes ein gläsernes Dach über ihre Terrasse bauten. Jetzt ziehe der Zigarettenqualm wie durch einen Kamin auch hinaus in die Schlafzimmer der Nachbarn nebenan, sagen die.

Ärger selbst zwei Häuser weiter

Als "Kettenraucher" wurden die Dowes schon bezeichnet - dabei rauchen die beiden nach eigenen Angaben "nicht mal" eine Schachtel pro Tag. Und das schließlich auf eigenem Grund und Boden. Doch nicht nur dem direkten Nachbarn sind sie dabei ein Dorn im Auge: Auch die Familie im übernächsten Haus zeigt sich mittlerweile genervt von der Qualmerei.

Reihenhäuser nebeneinander

Streit ums Rauchen in der Reihenhaussiedlung

Irgendwann stand dann sogar die Polizei vor der Tür. Der Vorwurf: Es würde Marihuana konsumiert. Überall im Garten hätten die Beamten nach Cannabis-Pflanzen gesucht, erzählt Andrea Dowe - aber nichts gefunden.

Richterin machte Ortstermin

Beim Amtsgericht Dortmund wollten die rauchempfindlichen Nachbarn 2015 erreichen, dass die Dowes nur noch in eingeschränkten Zeiten rauchen dürfen. Und ab 21 Uhr abends gar nicht mehr. Aber damit nicht genug: Auch in ihrer Küche soll ihnen das Rauchen untersagt werden, wenn gleichzeitig die Dunstabzugshaube eingeschaltet ist, denn die entlüftet nach außen.

Auch das empfinden die Nachbarn als unerträglich. "Dann frage ich mich", sagt Andrea Dowe, "was schreibt man mir als nächstes vor?". Vielleicht, so mutmaßt sie sarkastisch, dürfe sie demnächst kein Sauerkraut mehr kochen. Beim Ortstermin konnte die Richterin jedenfalls nichts Störendes entdecken. Die rauchenden Nachbarn hatten in erster Instanz noch Recht bekommen.

Stand: 08.06.2017, 16:29