Raser in Hagen verurteilt - Illegales Autorennen "nicht nachweisbar"

Zwei zerstörte Autos

Raser in Hagen verurteilt - Illegales Autorennen "nicht nachweisbar"

  • Fahrer soll mit mindestens 80 km/h in den Gegenverkehr geraten sein
  • Gericht sieht keine Beweise für illegales Rennen
  • Unfall-Rekonstruktion durch Gutachter und Dashcam-Video

In Hagen wurden am Montag (03.07.2017) im sogenannten Raserprozess zwei Männer zu Haft- und Bewährungsstrafen verurteilt. Die beiden 34 und 47 Jahre alten Männer sollen vor einem Jahr einen schweren Unfall mit fünf Verletzten verursacht haben. Sie waren nach dem Urteil des Gerichts viel zu schnell gefahren. Für ein illegales Straßenrennen habe es allerdings keine belegbaren Anhaltspunkte gegeben.

Im Prozess vor dem Landgericht Hagen konnte weder durch Videobeweise, noch durch Zeugenaussagen oder Gutachten der Sachverständigen nachgewiesen werden, dass ein Autorennen stattgefunden hatte.

Illegales Rennen mit Tempo 100

Die Anklage ging davon aus, dass sich die beiden Männer beim Stopp an einer Ampel spontan zu einem verbotenen Rennen verabredet hatten - auf der Feithstraße in Hagen. Laut Staatsanwaltschaft waren sie dann mit Tempo 100 oder noch schneller unterwegs; erlaubt sind dort nur 50 Kilometer pro Stunde. Die Anklage lautete daher auf vorsätzliche Straßenverkehrsgefährdung und fahrlässige Körperverletzung.

Unfall in unübersichtlicher Kurve

In einer unübersichtlichen Rechtskurve krachte es dann: Der rechts fahrende 34-Jährige musste einem langsamer fahrenden Wagen nach links ausweichen, der links fahrende 46-Jährige wich seinerseits in den Gegenverkehr aus. So sieht es jedenfalls die Staatsanwaltschaft. Bei dem folgenden schweren Unfall wurden unter anderem eine Mutter und ihre beiden Kinder verletzt, der sechsjährige Sohn schwebte länger in Lebensgefahr.

Einer der Angeklagten streitet Raserei ab

Prozessauftakt im Hagener Raserprozess

Prozessauftakt im Hagener Raserprozess.

Einer der beiden Angeklagten fühlte sich im Prozess zu Unrecht als "Raser" abgestempelt. "Es gab kein Rennen, bezüglich der Geschwindigkeiten werden aber jetzt noch keine Angaben gemacht", sagte sein Verteidiger Dominic Maraffa am Montag (29.05.2017). Für den Angeklagten und seine Familie sei diese falsche Berichterstattung eine besondere Belastung, weil dadurch eine Vorverurteilung stattgefunden habe.

Darstellung des Angeklagten überzeugt Staatsanwaltschaft nicht

Vielmehr sei er damals auf dem Weg nach Hause zu seinem kranken Sohn gewesen, dem es sehr schlecht gegangen sei. Deswegen, so die Argumentation des Angeklagten, sei er in Panik gewesen und so schnell gefahren. Es tue ihm aber unendlich leid, was passiert sei.

Stand: 03.07.2017, 17:05