Weiterbau des Radschnellweges Ruhr stockt in Essen

Diesen gut 20 Meter breiten Bahndamm will die Stadt Essen abtragen

Weiterbau des Radschnellweges Ruhr stockt in Essen

Von Dirk Groß-Langenhoff

  • Fertigstellung war für 2017 geplant
  • Neue Umweltvorschriften verzögern Weiterbau
  • Stadt rechnet frühestens 2019 mit Ausbau der Strecke

Der Weiterbau des Radschnellweges Ruhr zwischen Essen und Bochum kann erst in zwei Jahren beginnen. Laut Stadtverwaltung behindern neue Umweltvorschriften das bundesweit viel beachtete Projekt. Die Hiobsbotschaft hat die Stadt Essen gleich zum Start ihres Jahres als "Grüne Hauptstadt" kalt erwischt. Der Radschnellweg Ruhr war eines der Leuchtturmprojekte, mit dem sich die Stadt um den Titel bei der EU beworben hatte.

Neue Umweltvorschriften bremsen Weiterbau

Doch seit kurzem gibt es laut Stadtverwaltung neue Vorschriften: An der geplanten Radwegtrasse liegt unter anderem eine Chemiefirma, die vom Gesetz als "Störfallbetrieb" eingestuft wird. "Wenn bestimmte Betriebsarten an einer Strecke liegen, dann muss eine Umweltverträglichkeitsprüfung gemacht werden, sagt Essens Planungsdezernent Hans-Jürgen Best, "und danach muss ein Planfeststellungsverfahren gemacht werden".

Beide Verfahren werden die Fertigstellung des Radschnellweges auf Essener Stadtgebiet voraussichtlich bis mindestens 2019 ausbremsen. Hinzu kommt, dass die Fraktionen von SPD und CDU im Rat der Stadt Essen einen alten Bahndamm, der eigentlich für die Fahrradtrasse genutzt werden sollte, abtragen lassen möchten. "Wir wollen damit das Wohnviertel hinter dem Bahndamm besser an die Innenstadt anschließen", sagt Thomas Rotter von der SPD. Er ist Vorsitzender des Planungsausschusses in Essen.

Demo in Essen geplant

Gleichzeitig betont Rotter aber, dass die ursprünglich geplante Streckenführung der Fahrradtrasse nicht viel verändert werde. Das hatte der Allgemeine Deutsche Fahrradclub befürchet. Der ADFC in Essen kritisiert den Baustillstand. Gerade in dem Jahr, in dem die Stadt Essen den Titel der Grünen Hauptstadt Europas trage, könne so ein wichtiges Projekt nicht einfach brachliegen. Für Samstagmittag (28.01.2017) hat der ADFC deshalb zu einer Demo in der Essener Innenstadt aufgerufen.

Strecke Mülheim - Duisburg soll noch 2017 fertig werden

Eigentlich sollte der erste Radschnellweg Deutschlands bis 2020 fertiggestellt werden. Doch Streckenfindungsprobleme in Bochum und Dortmund sorgen möglicherweise für zusätzliche Verzögerungen. Das Teilstück zwischen Duisburg und Mülheim soll dagegen wie geplant noch in diesem Jahr fertig werden - jedenfalls nach bisherigen Planungen.

Stand: 26.01.2017, 16:50