Hilfloser Mann in Bank: Angeklagte legen Berufung ein

Hilfloser Mann in Bank: Angeklagte legen Berufung ein

Von Thomas Becker

  • Rentner brach in Bankfiliale bewusstlos zusammen.
  • Bankkunden halfen nicht.
  • Prozess endet mit Geldstrafen für drei Angeklagte.
  • Angeklagte legen Berufung gegen das Urteil ein.

Nach dem Prozess wegen unterlassener Hilfeleistung in einer Bankfiliale haben zwei Angeklagte Berufung gegen das Urteil eingelegt. Das hat das Amtsgericht Essen-Borbeck am Dienstag (26.09.2017) bestätigt. Der dritte Angeklagte hat seine Geldstrafe von 2.400 Euro nach Angaben des Amtsgerichts hingegen akzeptiert. Zwei Männer und eine Frau waren am 18.09.2017 wegen unterlassener Hilfeleistung zu bis zu 3.600 Euro Strafe verurteilt worden.

Das Gericht hatte es als erwiesen angesehen, dass die Angeklagten vor knapp einem Jahr in einer Bankfiliale einen reglos daliegenden Rentner ignoriert hatten. Bilder einer Überwachungskamera zeigten, wie die Kunden um den bewusstlosen 83-Jährigen herumgingen, sogar über seine Beine stiegen, um an den Bankautomaten zu kommen.

Richter sieht Gleichgültigkeit

 Ein Mann liegt in Essen (Nordrhein-Westfalen) im Vorraum einer Bank

Der Mann sei ihnen einfach gleichgültig gewesen, sagte Richter Karl-Peter Wittenberg. Die drei Bankkunden hätten billigend in Kauf genommen, dass da jemand liegt, der Hilfe benötigt. "Keiner wollte Hilfe leisten", so Wittenberg.

Die Verteidigung der drei Angeklagten hatte Freisprüche gefordert. Zwei von ihnen hatten vor Gericht ausgesagt, sie hätten den 83-Jährigen für einen schlafenden Obdachlosen gehalten. Das Gericht verurteilte nun die Frau zu einer Geldstrafe in Höhe von 3.600 Euro. Die beiden Männer müssen 2.800 Euro bzw. 2.400 Euro zahlen.

Fast zwanzig Minuten ohne Hilfe

Der Rentner war im Vorraum der Bank zusammengebrochen und dabei hart mit dem Kopf aufgeschlagen. Fast zwanzig Minuten lag er dort, bis endlich ein weiterer Bankkunde den Notruf wählte.

Der verletzte 83-Jährige starb eine Woche darauf im Krankenhaus. Ein medizinisches Gutachten ergab später, dass die unterlassene Hilfeleistung der Bankkunden für seinen Tod nicht mitverantwortlich ist. Er wäre demnach auch gestorben, wenn die Hilfe früher gekommen wäre.

Keine Aussagen bei der Polizei

Über ihre Bankdaten ermittelte die Polizei nach dem Vorfall die Kunden, die sich nicht um den 83-Jährigen gekümmert hatten. Sie weigerten sich, mit den Ermittlern zu sprechen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Essen erklärten zwei von ihnen schriftlich über ihre Anwälte, sie hätten den Rentner für einen schlafenden Obdachlosen gehalten.

Stand: 26.09.2017, 13:53