Apotheker-Prozess: Schöffe wird ausgetauscht

Bottroper Apotheker bei Gericht

Apotheker-Prozess: Schöffe wird ausgetauscht

Von Sebastian Wehner

  • Prozess gegen Bottroper Apotheker fortgesetzt
  • Peter S. soll zehntausende Krebsmittel falsch hergestellt haben
  • Schöffe wurde wegen Befangenheit ausgetauscht

Am dritten Prozesstag gegen den Apotheker hat der Richter einen der Schöffen ausgetauscht. Die Anwälte von Peter S. hatten einen Antrag wegen Befangenheit gestellt. Dem Gericht war bekannt, dass der Mann von 1975 bis 1983 als Apotheker in Bottrop tätig war. Zudem war seine Frau an Krebs erkrankt und wurde von dem Onkologen behandlt, der eine enge Beziehung zum Apotheker hatte - auch wenn sie keine Medikamente aus der Apotheke bekommen haben soll.

Zeugin von der Kripo soll aussagen

Am Freitag (17.11.2017) soll außerdem die Kripobeamtin als Zeugin aussagen, die im vergangenen Jahr für das Sicherstellen der Infusionsbeutel verantwortlich war, in den Peter S. die Medikamente für Chemotherapien falsch zusammengemixt haben soll.

Am Dienstag (14.11.2017) hatten die Anwälte von Peter S. aufgezeigt, wie sie ihren Mandanten verteidigen wollen. Ihm werden mehr als 60.000 Verstöße gegen das Arzneimittelgesetz vorgeworfen. In einer Erklärung hat Rechtsanwalt Peter Strüwe vor allem zwei Punkte angesprochen. Er kritisierte die bisherige Berichterstattung verschiedener Medien über seinen Mandanten. Außerdem wurden die Ermittlungsergebnisse der Staatsanwaltschaft angezweifelt.

Anwälte sprechen von Vorverurteilung

Viele Journalisten hätten sich bereits vor Prozessbeginn in die Rolle der Richter versetzt und den Angeklagten verurteilt, sagte Strüwe. "Es handelt sich um ein extremes Ausmaß." Der Verteidiger von Peter S. appellierte an die Richter und vor allem die Schöffen, trotz der bisherigen Berichte über den Fall neutral zu bleiben.

Deutlich wurde der Verteidiger des Apothekers auch, als er sich zu den Vorwürfen aus der Anklage geäußert hat. Es wird angezweifelt, dass die Analysen der sichergestellten Krebsmittel überhaupt stichhaltig seien. Die Verfahren zur Bestimmung, wieviel Wirkstoffe in Infusionsbeuteln waren, seien nicht belastbar.

"Bisher gibt es nur Indizien", sagte Peter Strüwe. "Den vielen entlastenden Details, die wir sehen, wurde bisher nicht nachgegangen." Die Berechnungen der Staatsanwalt zu den Einkaufsquoten der Krebsmittel seien beispielsweise falsch. In der Anklage wurde berechnet, welche Wirkstoffe seit dem 1.1.2012 in der Apotheke eingekauft und welche Mittel dann mit den Krankenkassen abgerechnet wurden. Diesen Weg zweifeln die Anwälte von Peter S. an.

Außerdem behaupten sie, dass es in den Arztpraxen, die von ihm beliefert wurden, überdurschnittlich gute Heilungsquoten gebe. "Die Wahrheit ist komplexer als die bisherige Berichterstattung annimmt", ergänzte Strüwe.

Viele Fragen an ersten Zeugen

Über drei Stunden lang wurde danach am Dienstag (14.11.2017) der leitende Ermittler der Bottroper Polizei als Zeuge vernommen. Er sollte unter anderem schildern, wie der Tag der Razzia im November 2016 in der Apotheke abgelaufen ist. Außerdem ging es darum, wie die Polizei von den Vorwürfen erfahren hat und wie Krebsmedikamente sichergestellt wurden. Der Polizeibeamte musste viele kritische Nachfragen zu Details beantworten.

Peter S. machte sich dazu viele Notizen und sprach oft mit seinen Verteidigern. Insgesamt wurde deutlich, dass es in den kommenden Monaten des Prozesses um viele Einzelheiten gehen wird. Am Freitag (17.11.2017) wird die Verhandlung fortgesetzt.

Stand: 17.11.2017, 10:35