Greueltaten der Polizei in der NS-Zeit

Greueltaten der Polizei in der NS-Zeit

  • Die Polizisten waren an Massenerschießungen beteiligt, die mindestens 15.000 Opfer forderten
  • Veranstaltung zum Holocaust-Gedenktag in Marl
  • Fast alle beteiligten Polizisten blieben nach dem Krieg straffrei

Viele Hinweise gibt es über die Geschichte der Polizei-Bataillone 65 und 316, die im Kreis Recklinghausen zusammengestellt wurden, und des Bataillons 61 aus Dortmund. Die rund 500 Mann starken Einheiten bestanden aus ganz normalen Schutzpolizisten, älteren Reservesoldaten, SA-Männern und sogar Feuerwehrmänner waren dabei.

Polizisten waren in Osteuropa eingesetzt

Der Historiker Thomas Köhler vor einer Europa-Karte

Der Historiker Thomas Köhler erforscht die Rolle der Polizei.

Die Recklinghäuser wurden nach Polen, Weißrussland, die Ukraine und auf den Balkan abkommandiert. Überall haben sie Kriegsverbrechen verübt, vor allem an Judendeportationen und Massenerschießungen teilgenommen. Die Dortmunder Polizisten waren lange an der Bewachung des größten jüdischen Ghettos in Europa, dem Warschauer Ghetto, beteiligt. Auch ihnen konnten zahlreiche Verbrechen nachgewiesen werden. Der Historiker Thomas Köhler hält sie für „Mörder in grünen Uniformen“. Die Polizei-Bataillone trugen grüne Uniformen, die Wehrmacht grau, die SS schwarz.

Nur wenige Prozesse nach Kriegsende

Polizisten mit einem Juden im Bärenkostüm

Der Jude im Bärenkostüm sollte erst tanzen und wurde dann erschossen.

Nach dem Krieg wurden Polizisten in Prozessen vor allem als Zeugen zu Kriegsverbrechen befragt; ihre Rolle als Täter war weitgehend unbekannt. Die deutsche und alliierte Justiz konzentrierte sich stark auf SS-Einheiten und Gestapo. Von den 200.000 Polizisten aus dem heutigen Nordrhein-Westfalen, die im Krieg in Polizei-Bataillonen eingesetzt waren, wurden ganze drei wegen Mordes verurteilt - und auch nur kurzen Haftstrafen.

Ausstellungen in Münster und Dortmund erinnern

Das Polizeihauptquartier in Münster

Aus diesem Büro in Münster wurden die Einsätze koordiniert.

Die Rolle der Polizei ist in einer Ausstellung in der Villa ten Hompel zu sehen, die auch von vielen Polizisten besucht wird. Auch in der Steinwache in Dortmund wird die Rolle der Polizei in der NS-Zeit beleuchtet. Dort stehen die Kripo und die Gestapo im Vordergrund, in Münster die normale Schutz-Polizei.

Stand: 27.01.2017, 15:32