Gemüse wächst nicht im Tiefkühlfach!

Ein Teller mit Obst und Gemüse

Gemüse wächst nicht im Tiefkühlfach!

Von Bettina Papenfuß

Obst und Gemüse ist gesund. Das wissen aber längst nicht alle Kinder. Helfen soll das "EU-Schulobst- und -gemüseprogramm", an dem sich inzwischen 1120 Grund- und Förderschulen landesweit beteiligen. Heute startet die Bewerbung für das kommende Schuljahr. Auch die Karlschule in Essen-Altenessen will dabei sein.

"Wachsen Möhren wirklich in der Erde und nicht in den Tiefkühltruhen?" Schulleiterin Mechthild Bönte konnte es kaum glauben, als einer ihrer Schüler diese Frage stellte. Ein Grund mehr für die Schulleiterin der Karlschule in Essen-Altenessen, sich um die Teilnahme an dem "EU-Schulobst- und –gemüseprogramm" zu bewerben.

Obst und Gemüse in die Schulen!

Hinter dem sperrigen Namen verbirgt sich eine gute Idee: Mehrmals in der Woche bekommen Schulkinder kostenlos Obst und Gemüse und so Lebensmittel auf den Tisch, die sie von zu Hause aus vielleicht gar nicht kennen. An der Grundschule Karlschule im Essener Norden kommen 100 der insgesamt 220 Schüler aus als sozial schwächer eingestuften Familien, häufig sind die Mütter alleinerziehend. "Die Familien kümmern sich nicht immer so um die Ernährung ihrer Kinder, wie es zu wünschen wäre", sagt Mechthild Bönte, die ihre Schule unbedingt in das Schulobst-Programm bringen möchte. "Wir machen eh schon viel in dieser Richtung, bieten spezielle Sportprogramme an, etwa die bewegte Pause, und frühstücken gemeinsam mit den Kindern. Da würde das Schulobst-Programm gut in unser Konzept passen."

Selbst zubereiten und dabei lernen

Mutter und Sohn kochen zusammen.

Kinder und Eltern kochen gemeinsam

Bewerben können sich alle Grund- und Förderschulen. Und immer mehr Einrichtungen machen es auch. Im Jahr 2010 startete das Projekt mit 355 Schulen landesweit, inzwischen sind es mehr als dreimal so viele. Im aktuellen Schuljahr bekommen 210.000 Mädchen und Jungen mehrmals in der Woche Obst und Gemüse. Zwei Millionen Euro stellt das Land dafür zur Verfügung, die restlichen sechs Millionen Euro sind EU-Mittel. Die Bewerbung für das kommende Schuljahr startet jetzt. Eine Bedingung, als Schule dabei sein zu können: Gesundheit und Ernährung zum Unterrichtsinhalt zu machen, um den Kindern Freude an gesunder Ernährung zu vermitteln. Dazu verpflichten sich die teilnehmenden Schulen. Auch der Besuch von Streuobstwiesen oder das Anlegen eines Schulgartens sind beliebte pädagogische Angebote. Viele Schulen bieten auch Kochkurse für Eltern und Kinder an und bereiten die Lebensmittel selbst zu. "Da sehe ich überhaupt kein Problem", sagt Mechthild Bönte. "Wir haben so viele liebe Eltern, die da sicher gern helfen würden, oder auch ältere Schüler. Jetzt müssen wir nur noch ins Programm kommen."

Stand: 07.03.2016, 05:00