Neonazis bedrohen Immobilien-Unternehmen und seine Mieter in Dortmund

Zugeklebte Fensterscheiben

Neonazis bedrohen Immobilien-Unternehmen und seine Mieter in Dortmund

Von Christof Voigt

In der Dortmunder Nordstadt werden die Betreiber eines künftigen alternativen Kulturzentrums von Rechtsextremisten bedroht. Schmähungen im Netz können für das Immobilien-Unternehmen existenzbedrohend werden.

Einer der beiden Mieter, Sascha Bender, betreibt bereits seit zwei Jahren einen anarchistischen Buchladen, das "Black Pigeon", in der Nähe des Borsigplatzes. Dort gebe es alles, was Rechtsextremisten und Rassisten nicht schmecke: Linke Literatur, Bücher über Antirassismus und Antifaschismus, sagt der Informatikstudent. Ärger habe er dort aber noch nie gehabt. Der habe erst mit der Ankündigung des Umzugs begonnen. Den Mietvertrag am neuen Standort will er trotz der Bedrohungen unbedingt erfüllen. In dem neuen Laden will Sascha Bender auch vegane Kost anbieten, Lesungen veranstalten und einen Kickertisch aufstellen.

Die Mieter wollen sich von der Bedrohung nicht unterkriegen lassen

Neonazis bedrohen Immobilien-Unternehmen und seine Mieter

Sascha Bender und Hendrik Müller renovieren ihren Laden

Auch der zweite Mieter, der Fotograf Hendrik Müller, möchte den neuen Standort für sein Atelier nicht aufgeben, bevor er dort überhaupt eingezogen ist. Im hinteren Teil des Ladenlokals möchte er ein Fotostudio einrichten. Mit der rechtsextremen Propaganda gegen das neue Zentrum habe er in der Form nicht gerechnet. Viel härter treffen die Drohungen den Vermieter. „Für ein Immobilien-Unternehmer ist so etwas natürlich existenzbedrohend.“

Immobilien-Unternehmen wird massiv unter Druck gesetzt

Der Vermieter ist ein Dortmunder Immobilien-Unternehmen, das bislang nicht öffentlich genannt werden möchte. Es wird seit einer knappen Woche von der Neonazi-Szene massiv unter Druck gesetzt. Auf der Facebook-Seite des Unternehmens hatten Neonazis Schmähkommentare geschrieben. Bewertungen auf Immobilien-Seiten sollen absichtlich nach unten geklickt worden sein. Außerdem wurde eine Scheibe in dem zukünftigen Ladenlokal eingeworfen. Für kommenden Mittwoch (02.03.2016) rufen Dortmunder Rechtsextremisten zu einer Protestkundgebung vor der Firmenzentrale auf und kündigen weitere Aktionen an, falls er nicht versuche, das Mietverhältnis wieder zu kündigen.

Neonazis machen Druck

Neonazis bedrohen Immobilien-Unternehmen und seine Mieter

Ein Holzbrett hält das demolierte Fenster zusammen

Auf einer Propaganda-Seite formuliert die rechtsextremistische Splitterpartei „DIE RECHTE“, in der sich der Kern der Dortmunder Neonazi-Szene sammelt, das so: „Wir als Partei DIE RECHTE werden nicht tatenlos zusehen, wenn im Hafenviertel ein „Freiraum“ für Linksextremisten entstehen soll, sondern bereiten Proteste verschiedener Art vor. Unsere Forderung an Sie als Vermieter ist es, über den aktuellen Status des Rechtsstreites zu informieren, sowie alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um das Mietverhältnis zu beenden.“

Gespräche zwischen Mieter und Vermieter

Der Geschäftsführer des Immobilien-Unternehmens wollte auf Nachfrage des WDR sich nicht öffentlich äußern. Er ist immer noch erschüttert. So etwas ist ihm bisher noch nie passiert. Er erklärt, dass er unbeabsichtigt zwischen zwei Fronten geraten ist. Auf seiner Facebook-Seite teilte das Unternehmen mit, dass es die Vorwürfe gegen seine Mieter prüfen wolle und „entsprechend der Ergebnisse handeln und das rechtlich Mögliche veranlassen“ wolle. Wie er mit der Situation umgeht, weiß er immer noch nicht. Mittlerweile hat die Stadt angekündigt, dem Vermieter zur Seite zu stehen.

Polizei ermittelt wegen Sachbeschädigung

Derzeit ermittelt die Polizei lediglich wegen Sachbeschädigung: Es geht um die eingeworfene Scheibe in dem Ladenlokal. Zu der Frage, ob auch der Staatsschutz in Dortmund ermittelt, der für politisch motivierte Aktivitäten zuständig ist, wollte die Polizei nichts sagen.

Stand: 29.02.2016, 17:08