Prozess: Klage gegen Signal Iduna auf halbe Milliarde Euro Schadensersatz

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Prozess: Klage gegen Signal Iduna auf halbe Milliarde Euro Schadensersatz

Von Frank Stach

  • Immobilienentwickler Jagdfeld klagt wegen Rufschädigung
  • Forderung von 429 Millionen Euro Schadensersatz
  • Signal Iduna bestreitet Vorwürfe
  • Richter sieht keine Beweise für Rufmordkampagne
  • Versicherungskonzern lehnt Vergleich ab

Der Richter am Landgericht Dortmund hat am Donnerstag (15.12.2016) vorgeschlagen: Die Signal Iduna Versicherung soll dem Immobilienentwickler Anno August Jagdfeld 20 Millionen Euro zahlen. Außerdem soll der Versicherungskonzern sich von seinen Anteilen an dem Hotelfonds für das Adlon Hotel trennen. Für eine vermeintliche Rufschädigung fehle jeder Beweis, sagte der Vorsitzende Richter Willi Pawel. Auch die Höhe des von Jagdfeld behaupteten Schadens sei schwer zu beweisen. Der Versicherungkonzern lehnte den Vergleich vehement ab.

Anno August Jagdfeld hat unter anderem mit geschlossenen Immobilienfonds das Grandhotel am Heiligendamm gekauft und das neue Adlon-Hotel in Berlin gebaut. Signal Iduna ist mit jeweils fünf Millionen Euro an diesem Fonds beteiligt.

Prozess gerechtfertigt oder nicht?

Laut Anklageschrift soll sich der Versicherungskonzern in der Öffentlichkeit rufschädigend über Jagdfeld und sein Geschäftsgebaren geäußert haben. Im Umfeld des Immobilienentwicklers heißt es, das habe viele Immobilienprojekte behindert. Die Vorwürfe hätten die Geschäfte massiv unter Druck gesetzt. Deshalb gebe es die hohe Schadensforderung. Die Versicherung bezeichnet die Klage als haltlos und unberechtigt.

Vor zwei Jahren wurde die Klageschrift zugestellt. Sie richtet sich gegen Ulrich Leitermann, den Vorstandsvorsitzenden der Signal Iduna. Der Dortmunder Versicherungskonzern verwaltet derzeit ein Vermögen von fast 65 Milliarden Euro. Vor zwei Jahren erwirtschaftete Signal Iduna einen Überschuss von etwa 175 Millionen Euro. Die Klage umfasst also das Dreifache des damaligen Jahresgewinns.

Hintergrund zum Immobilienentwickler aus Aachen

Portrait Anno August Jagdfeld

Immobilientycoon Anno August Jagdfeld

Anno August Jagdfeld gründete eines der großen Immobilienunternehmen Deutschlands. Insgesamt 800 Projekte hat er mittlerweile entwickelt, fünf Milliarden Euro sind da in etwa bewegt worden. Einige mit geschlossenen Anlagefonds, wie der Adlon Fonds. Damit ist das neue Hotel Adlon zwischen 1995 und 1997 gebaut worden.

Der Adlon-Fonds wurde von Jagdfeld aufgelegt. Als Geschäftsführer versprach er den Anlegern jährliche Ausschüttungen von etwa fünf Prozent. Als diese Zahlungen ausblieben, organisierten sich einige Anleger in einer Schutzgemeinschaft. Der gehörte auch die Signal Iduna bis zum Jahr 2012 an. Diese Schutzgemeinschaft stellte immer wieder die Kompetenz des Immobilienentwicklers Jagdfeld in Frage.

Streit um Kompetenz von Jagdfeld spitzte sich zu

Diese Kritik soll viele weitere Immobiliengeschäfte von Anno August Jagdfeld gestört haben, so die Begründung der Klage vor dem Landgericht. Prominentes Beispiel ist nach WDR-Informationen das Grandhotel Heiligendamm. Eine Anschlussfinanzierung sei durch die vielen Anschuldigungen der Schutzgemeinschaft gescheitert. Als Hauptschuldigen sehen die Rechtsanwälte des Aachener Immobilienentwicklers dabei das Dortmunder Versicherungsunternehmen Signal Iduna. Das legt zumindest die 150-seitige Klageschrift nahe.

Parallele zu Schadensersatz der Deutschen Bank an Mediengruppe Kirch?

Das Ganze erinnert an den Fall des ehemaligen Chefs der Deutschen Bank Rolf Breuer. In einem Interview vor 14 Jahren sprach Breuer der Mediengruppe Kirch die Kreditfähigkeit ab. Das hätte er aber so nicht machen dürfen, entschied der Bundesgerichtshof im Jahr 2012.  Die Deutsche Bank musste am Ende 900 Millionen Euro an Entschädigung zahlen. Zu diesem Vorgang sieht Anno August Jagdfeld offenbar Parallelen.

Jagdfeld erwartet hohen Schadenersatz

Das Landgericht Dortmund wird klären müssen, ob die Schadensersatzforderung von 429 Millionen Euro gerechtfertigt ist oder nicht.

Stand: 15.12.2016, 13:45